Ortsteile

Einöde, ma. „Oachberg“, Name von Berg, an dem viele Eichen wachsen, sich ableitend (vgl. dazu auch Thannberg!). Bereits um 1180/90 ist das Gut „Aichsperc“ erstmals urkundlich erwähnt und war damals bereits Raitenhaslacher Klosterbesitz (KLR 6, S. 37). Das Kloster blieb bis 1803 Grundherr dieses Hofes. Aichberg liegt auf einer schmalen Zwischenterrasse über dem Inntal (400 Meter über N.N.) in sehr schöner landschaftlicher Lage. Es ist umgeben von Laubwald bestandenen Hängen und Gräben. Heute sind dort aber nur noch ganz wenige Eichen, dafür um so mehr Buchen zu finden.

Kirch- und Pfarrdorf, bis 1848 Hofmark; ma. „Awing“ (mit hellem „a“ gesprochen). Der Ort liegt etwa 3,75 km nordwestlich vom heutigen Gemeindezentrum Reischach auf einem sanften, nach Norden hin auslaufenden Geländesporn, – 476 m über N.N. -; er ist zum Teil, vor allem an seiner Südseite, von großen Waldungen (Arbinger Wald, Schachen und Resten des sogenannten Reit- und Herrnholz) in gebührendem Abstand umgeben.

Arbing tritt urkundliche als Ortschaft erst um die Mitte des 12. Jahrhunderts in Erscheinung; es wurde damals „Arbingen“ genannt. Auch saß um jene Zeit ein Edelgeschlecht in Arbing, das sich „von Arbingen“ nannte. Namensgeber für den Ort und das Geschlecht dürfte ein gewisser „Aribo“ gewesen sein.

Im Jahr 1461 werden als zum Ort und Hofmark Arbing gehörig folgende Güter und Liegenschaften erwähnt: „Die Tafern mit Schankrechten daselbst, die 3 Hölzer genannt Arbinger Wald, Schachen und Reitholz“ sowie „die Höf“ (wohl Wenzl und Liendlbauer), die „Widem (= Wimmer),

Mittelpunkt und Herrschaftssitz der Hofmarken Arbing und Waldberg (auch siehe Waldberg) war nun Jahrhunderte lang das Schloss zu Waldberg. Die Untertanen dieser Hofmarken besaßen ihre Anwesen auf Leibrecht. Wurde im Ort Arbing im Laufe seiner langjährigen Geschichte auch mancher Hof zertrümmert, wie z.B. der Brunnstallerhof und der Hauserhof, so entstanden darauf wieder neue kleiner Anwesen bzw. wurden als Zubaugüter zu anderen Höfen geschlagen. Waren es 1461 nur 12 Anwesen und eine Kirche, so gab es 1752 in Arbing einschließlich dem weiter außerhalb des Dorfes gelegenen Wasenmeistergütl und dem Baderhaus, insgesamt 19 einzelne Höfe und Anwesen sowie eine Kirche.

Als am 04. April 1896 Arbing zur Pfarrei und ihre Kirche zur Pfarrkirche erhoben wurde, hatte das Gotteshaus, das dem Hl. Georg geweiht ist, bereits ihr heutiges Aussehen. Bereits im 12. Jahrhundert stand an gleicher Stelle ein erstes Kirchlein, von dem noch die weit über einen Meter dicken romanischen Langhausmauern erhalten geblieben sind.

Arbing war bis 1971 eine eigenständige Gemeinde und wurde im Zuge der Gebietsreform in die Gemeinde Reischach eingegliedert.

Heute zählt der Ortsteil Arbing etwa 170 Einwohner. Mit seinen früher zugehörigen 22 umliegenden Ortschaften hat der Ortsteil ca. 550 Einwohner.

Weiler, ma. „Aushofer“ oder „Aushofa“, um das Jahr 1000 „Uzhovara“ geschrieben.

Der Name kommt aus dem ahd. „uz“, mhd. „auf“, was im Neuhochdeutsch „aus“ = „außen“ bzw.  „außerhalb“ bedeutet; „bovara“ dagegen erklärt sich als „bei“ oder „zu den Höfen“ auch „bei den Bewohnern der Höfe“. Uzhovara, bzw. Aushofen bedeutet somit „bei den Außenhöfen“, das heißt, bei den Höfen außerhalb der (ursprünglichen) Dorfflur von Reischach, das hier als Ausgangspunkt zu gelten hat und bereits 930 urkundlich erstmals erwähnt ist. Es bestanden demnach schon von Anfang an mindestens zwei Höfe in Aushofen. Ende des 13. bis vor Mitte des 15. Jahrhunderts sind sogar vier Bauerngüter dort urkundlich nachweisbar, dann nur mehr drei und ein Zuhäusl. Erstmals tritt Aushofen im Jahr 1011 ins Licht der Geschichte. Am 1. November des genannten Jahres schenkte Kaiser Heinrich II. zu Frankfurt an die Kirche in Bamberg die in der Isengau-Grafschaft gelegenen Gehöfte bzw. Orte „Riscah (= Reischach), Goldaraperg (= Golderberg), Uuisagartadorf (= Wissersdorf), Lanzinperc (= Lanzenberg), Pahmanun (= Pomming) und schließlich auch „Uzhovara“, eben unser Aushofen.

Der Ort liegt 1,3 Kilometer südlich von Reischach auf einer Höhe von 475 Meter über N.N. in schöner abwechslungsreicher hügeliger Landschaft.

Weiler mit Kirche (461 Meter über N.N. bei der Kirche), ma. „Berg“. In alter Zeit wurde diese Ortschaft auch „Berg bei St. Veit“, gelegentlich sogar „Berg im Tobl“ (d. lt Berg im [Wald-]Tal) genannt.

Diese Bezeichnung könnte für den Ort gar nicht zutreffender sein; er liegt sehr malerisch auf einem Hügelsporn in einem zum Großteil von Wald umgrenzten Taleinschnitt. Auf diesem Geländesporn oder Tobel stehen die Kirche und die westlich hinter ihr angrenzenden zumeist von Obstbäumen umgrünten schmucken Bauerngehöfte.

Bereits in dem unter (Erz-)Bischof Arn von Salzburg um 789 angelegten Güterverzeichnis (Indiculus Arnonis) wird im Bereich des Isengaucs, zu welchem ja damals auch unsere Gegend zählte, eine Kirche zu Berg mit drei Gutshöfen („Ad Perc eccl. cum mansis III. „) erwähnt. Noch im 17. Jahrhundert existierten allein im Umgriff der Kirche von Berg drei einzelne Bauernhöfe, später nur noch zwei. Man dürfte nicht fehlgehen, wenn man annimmt, dass das einstige uralte, weit verzweigt und angesehen gewesene Edelgeschlecht der Perger, das urkundlich um 1269 hier erstmals erscheint und 1343 als Besitzer (und wohl auch als Erbauer) des Schlosses Waldberg bei Arbing genannt wird, ursprünglich von unserem Berg („Perg“) stammt und auch seinen Namen davon ableitet. Dieses Geschlecht hatte in unserer Gegend noch im 14. und 15. Jahrhundert große Besitzungen. Die Perger bzw. deren Vorfahren dürften wohl auch die Erbauer des ersten Kirchleins in Berg gewesen sein. Es ist deshalb sehr naheliegend (wenn auch nicht urkundlich beweisbar), daß deren Nachkommen und Erben auch noch zum Bau der heutigen im 15. Jahrhundert entstandenen Kirche St. Veit in Berg ihren angemessenen Teil beigetragen haben.

Diese recht malerisch im unteren Reischachtal gelegene Ortschaft (385 Meter über N.N., beim Gasthaus), ma. „Brandmöi“, einst eine Einöde, heute ein Dorf, erscheint urkundlich verhältnismäßig sehr spät.

Der Name dürfte sich vom mhd. „braut“ (brennen), wohl von einer einst hier durch Brandschatzung zugrunde gegangenen, später dann wieder entstandenen Mühle ableiten. Sie war bis zur Gründung der „Neumühle“ bei Kager einst die südlichste Mühle links des Reischachbaches im Amtsgebiet von Reischach. Anfangs des 15.Jahrhunderts war die „Prantmül im Räwschachpach“ an zwei verschiedene Besitzer bzw. Grundherren aufgeteilt. Diese grundherrschaftliche Zweiteilung verblieb ihr bis anfangs des 19.Jahrhunderts. 1435 gab der Besitzer der „prantmül jm Reyssenpach“ je 15 Pfennig Mai- und Herbststeuer an das herzogliche Kastenamt. 1602 gehörte zum Brandmüllergut auch ein Zuhäusl. Es war vom „Sebastian Alten Prandtmüller, Austragsmann“, bewohnt, der sich darin eine Kuh hielt. 1650 wurde der eine Teil des Gutes freies Eigen des daraufsitzenden Müllers; die andere Gutshälfte blieb landesherrliches Lehen. 1721 heißt es von der Brandmühle, dass „diese Mühl mit 3 Gängen“ versehen sei, wovon aber „für beständig nur ainer gehet“; außerdem gehöre dazu auch »eine Sag“ und ein „weniger Pau- und Wisgrundt, zusamben… 1/2 Hof“. Ein Sägewerk dürfte zu dieser Mühle sicherlich seit Jahrhunderten vorher schon gehört haben. Die neben dem Mühlen- und Sägewerksbetrieb geführte Landwirtschaft (um 1900 insgesamt etwa 36 Tagwerk) war hier fast ausschließlich auf Viehhaltung ausgelegt. Ackerbau wurde nur im geringen Umfang betrieben, vor Mitte des 19.Jahrhunderts überhaupt nicht.

Die alte Flurkarte von 1824 zeigt den Brandmüllerhof als einen asymetrischen, geschlossenen Vierseithof, in dem die Mühle, das Wohnhaus und die landwirtschaftlichen Gebäude mitenthalten sind. Die Hütte mit dem hölzernen Sägegatter dagegen stand damals etwa 75 Meter südlich des Hofes, nahe am Reischachbach. Auch fällt dabei auf, daß damals die Fahrstraße von Reischach nach Kager nicht westlich bzw. in der Mitte hindurch wie heute, sondern in einem Bogen östlich um den Hof vorbeiführte. In ganz alter Zeit war von diesen Richtungen her die Brandmühle straßenmäßig nur durch einen schmalen Fahrweg erschlossen. Er führte vorn Reischachbach herauskommend in einem großen Bogen von Westen her über die Wiese herauf durch den Hof und dann in südöstlicher Richtung weiter, hinter dem Sägewerk vorbei und mündete dort schließlich wieder in das Bachbett. Ein zusätzlicher Fahrweg (sogenannter Mühlweg) führte damals und führt auch heute noch von Unterfriesing den steilen Waldbuckel herunter zur Brandmühle. Als 1918 das Brandmülleranwesen geteilt und der größte Teil davon verkauft wurde, erfolgten bald weitere Teilungen, so dass der einstige geschlossene Gesamtbesitz regelrecht zertrümmert wurde und als Folge bis heute dort insgesamt 14 einzelne Anwesen entstanden. Der Mühlenbetrieb selbst wurde aber trotz Gutszertrümmerung von den neuen Besitzern weitergeführt, ja sogar nach Kräften modernisiert. 1919 zum Beispiel wurde das oberschlächtige Wasserrad durch eine Turbine ersetzt. Ein bei der Mühle eingebautes Elektrizitätswerk versorgte seit längerer Zeit vordem schon die eigenen Gebäude, später sogar den ganzen Ort Brandmühl und eine Reihe umliegender Ortschaften mit Strom. Erst 1956 ist im Zuge des damaligen allgemeinen Mühlensterbens der Mühlenbetrieb eingestellt worden; zwei Jahre später erfolgte die Demontage der Einrichtung. Das dadurch leer gewordene Gebäude mit der kleinen Müllerwohnung hatte man dann nach und nach zu einem Wohnhaus um- und ausgebaut.

Der Betrieb des Sägewerkes, wenn auch hinsichtlich des Sägegebäudes mit Holzlagerplatz nicht mehr an ursprünglicher Stelle ausgeübt, wurde ebenfalls weitergeführt, auch noch nach Stilllegung der Mühle, desgleichen auch die Eigenstromversorgung. Das Sägewerk Ingerl in Brandmühl hat sich heute zu einem modernen, sehr gut florierenden Betrieb entwickelt, den man sich nicht mehr vor dem Platz der einstigen Brandmühle wegzudenken vermag.

Einöde, ma. „Buagading“. Burgharting ist ein echter, wenn auch später kleiner -ing-Ort.

Die frühesten Erwähnungen legen eine Herleitung von dem Personennamen Bughar > Pure- her nahe. Andere Deutungen, z. B. auf „Burg“ oder „Burggeding“ (= Vogtgericht usw.) scheiden hier aus. Der Ort wird in dem um 1407 angelegten Verzeichnis der Ritterlehen erstmals erwähnt. Damals besaß der „Nüssel aus dem Thal“ in der Pfarrei Reischach „den 3. Teil des Zehents und die 6. Garb zu Purkchering aus dem Hof und auch die 6. garb aus der selden daselb“. Es existierte demnach anfangs des 15. Jahrhunderts schon ein zweites Anwesen in Burgharting. 1435 ist dagegen nur ein einziger Hof erwähnt. Desgleichen gab es 1517 vermutlich nur ein Gut dort, es war als eine Hube (= 1/2-Hof) eingestuft; 1535 ebenfalls, jedoch damals als ein 3/4-Hof. Es scheint, dass beide Anwesen dann zeitweise zusammengelegt, von einer Hofstelle aus bewirtschaftet wurden. Ab Mitte des 16.Jahrhundert bis Ende des 17.Jahrhunderts wird dann stets von zwei Bauerngüter unterschieden: dem „Ober- oder Vordermayr“ und dem „Unter- oder Hintermayr“ zu Burgharting; jeder war nur 1/4-Hof groß. Burgharting liegt in schöner landschaftlicher Lage, sehr einsam in einem Tal (334 Meter über N.N.), in dem sich zwei Bäche vereinigen. Die Flur ist sowohl von Osten als auch von Süden von Wald umgrenzt. Burgharting ist der östlichst gelegene Ort der Gemeinde Reischach.

Einöde, ma. „Daxed“. Der Name leitet sich vom ahd. „dahs“, auch mhd. „dahs“ = Dachs, und „ed“ = öd, also von einer einsamen, abgelegenen Waldstelle ab, wo sich viele Dachse aufhalten.

Als Flurnamen treffen wir dort neben dem „Daxederholz“ auch ein „Fuchsenland“ und „Fuchsenholz“, welche Namen ebenfalls auf solche Höhlen bewohnenden heimischen Wildarten hinweisen. Erstmals wird Daxöd erst im Jahr 1560 urkundlich erwähnt, dürfte aber sicherlich schon einige Zeit vorher entstanden sein. Daxöd liegt 480 Meter über N.N. in schöner, zum Teil mit Waldungen umgebener Lage, von Westen (Aushofen) her erschlossen.

Einöde, 407 Meter über N.N., ma. „Diadaschberg“; der Name leitet sich von dem altdeutschen Personennamen „Dietrich“ ab. Es ist der Name eines Mannes, der mit seinen Leuten hier auf diesem Berg einst siedelte und somit zum Gründer dieser Ortschaft und ihres Namens wurde.

In dem um 1185 angelegten topographischen Verzeichnis (Urbarsregister) des stiftischen Besitzes von St. Peter in Salzburg auf heute bayerischem Boden ist auch eine halbe Hube („dirn. mansus“) zu „Dietrichsperch“ (= Dietersberg) genannt. Dieses Gut gehörte damals sicherlich schon eine geraume Zeit lang zu diesem uralten, bereits um 700 von Bischof Rupert gegründeten Kloster. Noch 1588 wird das 1/4-Ostermairgut zu Dietersberg, das damals „Mathes Dietersperger“ besaß, als „Lehen gen S: Petter in Salzburg geherig“ erwähnt. 1671 heißt es vom Besitzer dieses Hofes, dass er „zu St. Peter auf Salzburg“ jährlich 26 Kreuzer geben müsse. Mit dem um 1185 erwähnten Gut zu Dietersberg war somit zweifellos der Ostermairhof gemeint gewesen. Das andere Hofgut dort, das sogenannte Dietersbergergut, dürfte vermutlich etwas jüngeren Ursprungs sein. Es war wohl von Anfang an ein landesherrliches, später ritterliches Lehen und — urkundlich ab etwa 1535 — als eine Hube (1/2-Hof) ausgewiesen.

Dietersberg liegt in einer sehr gefälligen Umgebung. Man kann von dort oben, besonders von der Kreisstraße aus, einen weiten Rundblick über das schöne Holzland genießen.

Das Dorf Ecking, ma. „Eggen“, mit seinen nun 14 Häusern und Höfen und der uralten, dem hl. Stephanus geweihten Kirche liegt in anmutiger, recht abwechslungsreicher hügeliger bäuerlicher Landschaft.

Es bietet mit seinem reichen Obstbaumbestand, der den Ort mit den gepflegten Anwesen fast gänzlich umgibt, einen recht malerischen friedvollen Anblick. Dies war auch mit der Grund dafür, dass 1986 Ecking im öffentlichen Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ den ersten Preis auf Landkreisebene erhielt. Im gleichen Jahr feierte das ganze Dorf Ecking auch in sehr würdiger Weise das 800-jährige Jubiläum seiner urkundlich sicheren Ersterwähnung. Noch im 18. Jahrhundert war die heutige Ortschaft Ecking geographisch aufgeteilt in den Weiler „Nieder- oder Unterecking“ mit der Kirche und den vier Anwesen „Aigner, Gabler, Seign und Hörl“, dann in das südlich etwas abgesondert liegende „Oberecking“ mit den zwei Bauernhöfen „Mirtl“ und „Obermayr“ sowie den beiden nordwestlich beziehungsweise südwestlich noch weiter abseits gelegenen Einöden „Eder zu Ecking“ und „Loher zu Ecking“.

Höchstwahrscheinlich wird unser Ecking urkundlich erstmals bereits um das Jahr 1160 erwähnt. Damals gab der edle Herr Ulrich (Oudilrich) von Arbing in Anwesenheit von Kuno, Luipold, Luithwin und Wezil von Arbing und anderen genannten Zeugen ein Gut (predium) in dem Ort, der genannt wird „Echingen“, an das Kloster Baumburg. Um was es sich für ein Gut gehandelt haben mag, ist nicht feststellbar. Auch ist im Stiftbuch des Klosters Baumburg vom Jahr 1245 wie auch in dergleichen späteren Aufzeichnungen ein Gut zu Ecking, Eching oder ähnlich, nicht aufgeführt.

Eine sichere urkundliche Bezeugung Eckings aber datiert auf die Zeit um 1186. Damals gab das Kloster Raitenhaslach dem Otto von Endlkirchen und dessen Gemahlin Gerburg ein Gut zu Ecking („…suapredium anum in Ekchingen“) als Leibgeding. Nach dem Tode Ottos, um das Jahr 1205, vollzog dessen Witwe Gerburg die Rückauflassung dieses Gutes („… predium Echingen…“) an das Kloster. Wie lang Raitenhaslach damals schon im Besitz dieses Prediums (= 1/4 Hof) in Ecking war und ob es sich bei ihm gar um einen Tausch mit dem Kloster Baumburg eigenen Predium zu „Echingen“ handelte, ist nicht bekannt. Jedenfalls konnte es sich mit ihm nur um den „Obermayrhof“ und damit das größte der beiden einst dem Kloster Raitenhaslach gehörig gewesenen Güter zu Ecking gehandelt haben. Dieser Hof war stets als 1/4-Hof eingehöft, während das andere Anwesen, der „Seign” zu Ecking, von jeher als 1/8-Hof und damit als das kleinere der beiden Kloster Raitenhaslach eigenen Eckinger Güter zu gelten hatte. Letzterer ist erst 1334 im Stiftbuch dieses Klosters erwähnt, dürfte aber ebenfalls längst vorher schon an Raitenhaslach übereignet oder vertauscht worden sein.

Beide gehörten dann ununterbrochen bis 1803 zum Kloster Raitenhaslach.

Dem Siedlungsnamen Ecking liegt mit Bezug auf die Nennung von 1186 der altdeutsche Personenname „Ecko“ oder »Eko“ zugrunde (hier wohl der Name des Gründers dieser Siedlung), der durch das Zugehörigkeitssuffix „ing“ abgeleitet ist. Ecking bedeutet somit »bei den Leuten des Echo (Eko)“.

Ecking liegt 477 Meter über N.N. (bei der Kirche).

Einöde, ca. 410 Meter über N.N.; ma. „Edermöi“

Die Eheleute Johann und Anna Obergrußberger, welche 1864 den Gilgöderhof um 9600 Gulden kauften, bauten sich 1866/67 auf ihrem Grund unten am Rockerbach eine „Schneldsäge mit Lobstampfe“. Sie gerieten mit allem aber so in Schulden, dass ihnen bereits ein Jahr später sowohl der Hof mit sämtlichen Gründen, wie auch das neue Sägewerk zwangsversteigert wurde. Den Zuschlag auf das Meistangebot von 6000 Gulden erhielt laut Adjudikationsdekret vom 18. Februar 1868 ein gewisser Joseph Jetzelsperger. Dieser behielt die Schneidsäge samt der Lohstampfe und 15,63 Tagwerk Acker-, Wald- und Wiesengründe für sich zurück und vertauschte den restlichen Gilgöderhof sofort an die Bauerseheleute Johann und Rosina Wenzl gegen deren bisher besessenes Anwesen in Guntersberg, Gemeinde Eggen. Zwei Jahre später, am 11. April 1870, verkaufte Jetzelsperger aus heute nicht mehr bekannten Gründen das Sägewerk samt der Stampfanlage und den genannten 15,63 Tagwerk Grund um 1400 Gulden an die Müllerseheleute Jakob und Magdalena Altmannshofer. Diese bauten sich nun sofort neben dem Sägewerk ein Wohnhaus mit Stall und einer Mahlmühle daran, sowie einen Stadel und eine Remise. Bis 1872 war alles fertiggestellt. Und weil dieses neugegründete Mühlenanwesen drunten am Rockersbach ein Ausbruch aus dem alten „Eder“-Hof (Gilg-Eder) war und dieser Name damals bei den Leuten hier offensichtlich noch immer in Gebrauch war, obwohl sich amtlich dafür längst „Gilgöd“ durchgesetzt hatte, nannte man es fortan die „Edermühle“. Mit Regierungsschreiben vom 22. April 1987 ist nun dieser bisher gebräuchlich gewesene Hausname auf Wunsch der dortigen Bewohner auch amtlich zur Ortschaft „Edermiihle“ erklärt worden. Bis dahin zählte Edermühle noch zu Gilgöd.

Einöde, ma. „Enschberg“, gelegentlich auch „Engerschberg“. Der Name wurde in neuerer Zeit auch fälschlich „Engersberg“ geschrieben. Die ältesten uns bekannten Schreibweisen aber sind „Ernsperck“, „Erensperg“ und „Ernsperg“.

Der Name leitet sich eventuell ab vom ahd. „erren“, mhd. „em, eren“; erren = ackern, pflügen, ein Berg also, der unter den Pflug genommen wird. Wegen des Genitiv – s  ist aber wohl auszugehen von einem Personennamen des Stammes „Ern“- (oder auch „Erm“-), wie er im Namen „Ernst“ vorliegt (Fö. 485).

Am Gregoritag 1406 wurde dem Edlen „Hainrich dem Satelpoger, zu Mitterskirchen gesessen“, und seiner Ehefrau Ursula neben anderen auch ihre zwei Güter zu Fuchshub und ein Gut zu „Ernsperck“ zu Gunsten des „Wilhalm Wispecken, Bürger zu Ötting“, verpfändet, dem sie sechs Pfund Landshuter Pfennige schuldeten.

Damals gab es in Ehrnsberg anscheinend drei Bauerngüter: So besaß 1407 „Ulrich Westner zu Marteinskirichen“ (= Martinskirchen) zwei Teile Zehent zu Zaunhub und „zu Erensperg 3 zehntbäuser“, das heißt, er bezog auch von drei Bauerngüter zu Ehrnsberg jeweils den 2/3-Zehent. Anfangs des 16.Jahrhunderts sind nur noch zwei Güter dort genannt. Diese wurden später zum Teil getrennt, zum Teil aber auch gemeinsam von ein und demselben Bauern bewirtschaftet. Im 18.Jahrhundert waren die Gründe der beiden Höfe schon unausscheidbar vermischt. Von den Gebäuden des zweiten Hofes (Oberehrnsberger) stand nur noch das Wohnhaus, das als Zu- und Austragshäusl des Ehrnsbergers sein Dasein noch bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg fristete und dann – wohl wegen hoher Baufälligkeit – abgebrochen wurde. Heute erinnert sich niemand mehr an dieses einstige hölzerne Häusl, das nach der Flurkarte von 1824 etwa 50 Meter westlich vom Ehrnsbergerhof stand.

Ehrnsberg liegt 497 Meter über N.N. und gewährt nach Süden hin eine herrliche Aussicht ins Inntal, Alt- und Neuötting, und bei föhnigem Wetter bis zu den Alpen.

Einöde, 498 Meter über N.N., ma. „Voherberg“; dem Namen dürfte das ahd. „foha“, mhd. „vohe“ = Füchsin zugrundeliegen; Übertragung somit als „Berg der Füchsinnen oder überhaupt der Füchse“. Um 1404 zählte „Vohenperg“ noch zur Lehenschaft des Martin Hohenecker, einem Sproß des vom nur etwa 500 Meter östlich benachbarten Hoheneck hervorgegangenen adeligen Landherren- und späteren Grafengeschlechtes. 1435 wird die Hube zu Fachenberg das „Vokenlehen“ genannt. 1438 teilten sich dieses mittelalterliche Lehen mit zahlreichen übrigen Lehensgütern dieser Gegend die Gebrüder Hermann und Ulrich von Hoheneck. Später, vermutlich schon Ende des 15.Jahrhundert, wurde das Lehen zu Fachenberg vom Landesherrn zu einem Beutellehen umgewandelt.

Einöde, ma. „Foaschtnberg“; der Name leitet sich von „Foaschter (= Förster) am Berg“ ab.

Der ursprüngliche, im Jahr 1334 urkundlich erstmals bezeugte Name aber war „Fronberch“, das heißt ein bewaldeter Berg, der in Fronarbeit urbar gemacht wurde und auf dem dann ein für eine bestimmte Herrschaft, in unserem Falle dem Kloster Raitenhaslach verpflichteter beamteter Förster (= Jagd- und Waldaufseher) behaust war. Als aber im Laufe der Zeit das Kloster — vermutlich aus Sparsamkeitsgründen — längst keinen solchen Aufseher mehr in Faistenberg hatte, wurde der Name Fronberg allmählich in Unkenntnis der ursprünglichen Bedeutung zu einem „Frau(e)nberg“. So ist letztlich sogar die eigenartige Namenskombination „Fraunberger am Fistenberg“ und „Faistenberger am Erwinberg“ entstanden. Der Name Fron- oder Fraunberg ist nun längst völlig in Vergessenheit geraten.

Das Kloster Raitenhaslach blieb bis 1803 Grundherr dieser auf Leibrecht vergebenen 1/16 Sölde zu Faistenberg, die kirchlich stets zur Pfarrei Reischach gehörte, seit 20.September 1894 aber als einziger Ort der Gemeinde Reischach zur Pfarrei Perach zählt.

Der Ort liegt hoch über dem Inntal, 465 Meter über N.N. auf einem kleinen, nach fast allen Seiten ziemlich steil abfallenden Geländesporn, der von Wald umschlossen ist. Deutlich sichtbare Spuren lassen eine einstige frühmittelalterliche Abschnittsbefestigung in Faistenberg vermuten.

Weiler mit derzeit sechs Anwesen (433 Meter über N.N.); die ma. Benennung dieses nur etwa 1 Kilometer nördlich der Pfarrkirche von Reischach gelegenen Ortes ist „Fuxhua“.

Wie schon der Name beweist, gab es dort ursprünglich nur ein einziges Gehöft, eine Hube, die, weil am nahen „Fuchsberg“ gelegen, wohl von ihm auch ihren Namen ableitete. Spätestens 1435 und noch bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts existierten in Fuchshub drei Bauernhöfe: der „Hinterfuchshuber“, der „Unter- oder Mitterfuchshuber“ und der „Oberfuchshuber“. Heute gibt es dort nur noch den „Fuchshuberhof“ (vormals Hinterfuchshuber) und den „Oberfuchshuberhof“. Letzterer dürfte vermutlich der geschichtlich älteste der genannten drei Höfe sein.

Urkundlich tritt Fuchshub erst anfangs des 15. Jahrhunderts und damit sehr spät in Erscheinung, obwohl die Gründung dieser Ortschaft, die direkt an der uralten Fahrstraße (heute Bundesstraße) von Eggenfelden über Reischach nach Neuötting liegt, zweifellos um einige Jahrhunderte früher anzusetzen ist.

Am 27. März 1406 verzichtet der Edelmann „Nykla der Intoplär von Intobel“ gegenüber Heinrich dem Sattelpog(n)er zu Mitterskirchen auf „zwayn fluchen zu Fuchshueb“ in der Pfarrei Reischach. Dafür sind ihm ein Gut zu Petzlberg, je ein Gut zu Kobl, zu Winkl und zu Edhof, letztere drei in der Pfarrei Zeilarn, sowie das Gut „Wipfleinsperig in Reischacher pfarr“ überlassen worden. Die beiden genannten Huben sind zweifellos der „Hinterfuchshuber-“ und der „Oberfuchshuberhof“ gewesen; sie allein blieben bis zu Beginn des 19.Jahrhunderts grundherrschaftlich in Abhängigkeit von Edelleuten und sind bereits 1417 als „Seibersdorferische Leben“ ausgewiesen, während das dritte Hofgut in Fuchshub ein Erbrechtgut des Pfarrgotteshauses St. Martin in Reischach war. Auf die Tatsache, dass in Fuchshub im Mittelalter auch Schrannengerichte (öffentl. Gerichtsversammlungen im Freien) abgehalten wurden, wird schon 1417 urkundlich hingewiesen. Auch wird noch 1671 eine Wiese, die dem „Adam Schefftenhueber“ gehörte, als „bey der Schrannen zu Fuxhueb“ gelegen, bezeichnet; sogar noch im Kataster von 1851 wird zu Fuchshub die „Schrannenwiese“ und das „Schranfalterlandl“ erwähnt. Es trifft also hier zu, dass „Mittelpunkte der Schergenämter vielfach die Schrannenorte waren, an denen Sitzungen der ordentlichen Hochgerichte stattfanden.“ (M. Spindler, Handbuch der bayer. Geschichte, Bd. II, S. 551).

Wir gehen sicherlich nicht fehl, wenn wir in diesem Zusammenhang in dem Fuchshub benachbarten Schöftenhub (ma. „Scheffnhua“) ein Gut (Hube) vermuten, welches einst für dieses Schrannengericht einen Schöffen zu stellen oder seinen Unterhalt zu bestreiten hatte. Vielleicht geht auch das uralte und heute noch in der Reischacher Gegend bekannte Sprichwort: »Selbständig wia Fuchshua“ auf jene alte Zeit zurück. Noch anfangs des 19. Jahrhunderts verlief die Straße von Reischach her unmittelbar westlich am Mitter- oder Unterfuchshuberhof vorbei. Sie machte hinter diesem eine scharfe Rechtskurve und führte zwischen dem vorgenannten und dem nur etwa 50 Meter nördlich dahintergelegenen Hinterfuchshuberhof hindurch. Von dort verlief sie nach einer scharfen Linkskurve weiter über den „Fuchsberg“ in Richtung Schöftenhub bzw. zweigte noch vor diesem ab nach Maierhof.

Der Oberfuchshuberhof, der etwa 80 Meter weiter westlich der beiden einstigen anderen Höfe steht, wurde damals verkehrsmäßig durch eine schmale, vor Fuchshub nach Westen abzweigende Straße erschlossen. Sie führte im großen Bogen ebenfalls westlich um den Oberfuchshuberhof, um dann wieder in Richtung Osten vor den beiden anderen Höfen in die eigentliche Ortsdurchfahrt einzumünden. Von Reischach her geradeaus durch Fuchshub dagegen verlief die Straße nach Unter- und Oberthal; sie bestand schon Jahrhunderte, noch ehe einst die heutige Fahrtrasse über dem Fuchsberg angelegt wurde.

Einöde, 457 Meter über N.N. Der Ort bietet eine schöne Aussicht ins nahe Reischachtal und den anschließenden östlichen Holzlandbereich.

Der Name wird ma. „Gauschberg“ gesprochen und wird von einem „Gausberr bzw. „Gausbald“ oder ähnl. abzuleiten sein, wenn man die Belege von 1535 und 1671 in Betracht zieht, vielleicht auch von einem Gaurwin“, „Gaur(Wald“ oder ähnlich.

1471 wird der Ort „Gausperg“ und drei Jahre vorher „Gaunksberg“ geschrieben.

Um die Mitte.des 15.Jahrhunderts gab es offenbar zwei Güter zu Gausberg, welche beide im Besitz der Edlen von Hoheneck waren. So heißt es z. B. im Urbarsbuch der Herrschaft Winhöring vorn Jahr 1468: „Item der hochen Ecker (ist Besitzer) von zweyen Gutherz zu Qaunksberg, gibt (dafür) xxvi ennig“ jährlich Stift und Gült an die genannte Winhöringer Herrschaft. Diese war damals noch die Dompropstei in Bamberg. Die grund-herrschaftliche Abhängigkeit des 1/4-Gausbergerhofes, der auf Erbrecht ausgetan war, dauerte bis 1848.

Einöde, 450 Meter über N.N., ma. „Giged“; der Name kommt von „Giig“ (= Ägidius), einem Vornamen eines Besitzers dieses Hofes im ersten Drittel des 16.Jahrhunderts.

Der ursprüngliche Name war „Ed“ (= Öde, Einöde). Weil es aber in der Pfarrei Reischach damals auch ein zweites „Ed“ bzw. „Öd“ gab („Eder bei Ecking“), nannte man unser Gilgöd — um Verwechslungen zu vermeiden — „Ed bei Hitzing“ oder auch „Eder bei Hizling“.

Im Jahr 1404 erstmals urkundlich sicher erwähnt, dürfte diese einsam gelegene heute noch rings von Wald umschlossene Flur schon spätestens im 13.Jahrhundert gerodet und darauf das Anwesen gegründet worden sein.

Am 13. Februar 1514 verkauften dessen Erben einen Teil der Einnahmen aus ihrem „Gut zu Edt, zwischen Rocklspach und Hitzling in Reischacher Pfarr“ gelegen, an die Pfarrkirche St. Mariae Himmelfahrt in Perach, die letztendes dann Grundherr des ganzen Anwesens zu „Ed“ wurde. Die Pfarrkirche in Perach bzw. deren Verwalter verliehen den Gilgöderhof fortan bis 1848 gegen Leistung einer bestimmten jährlichen Summe Geldes auf Erbrecht bzw. Neustift an den Gilgöderbauern zur Nutzung.

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts entstanden durch Ausbruch aus der Flur Gilgöd zwei weitere Anwesen: die Edermühle (Haus-Nr. 9/2!) und das sogen. Zimmererlippengütl (Haus-Nr. 9/3), welches letztere auch heute noch zur Flur und Ortschaft Gilgöd zählt.

Einöde, ma. „Gmoahoizen“. Der Name leitet sich von Gemeinbesitz ab, hier ein Waldstück, das der „Gmain“ (Landgericht, Amt, Obmannschaft) gehörte und von ihr genutzt werden durfte.

Später scheint es von dieser dem jeweiligen „Schergen“ (Fronboten, Amtmann, später Gerichtsdiener) zur Nutzung auf Dauer seiner Amtszeit überlassen worden zu sein. Tatsächlich liegt bei Gmeinholzen lt. Kataster vom Jahr 1851 ein über 31 Tagwerk großes Waldstück, das mit dem Namen „Schergenholz“ verzeichnet ist. In diesem Schergenholz dürfen wir wohl das einstige „Gmainholz“ sehen, bei dem dann später die beiden Stillen entstanden und danach benannt wurden. Interessant ist auch, daß sich in der von Gmeinholzen weiter östlich gelegenen Flur Wurmgarten ein etwa 17 Tagwerk großes Waldstück mit dem Namen „Galgendobelholz“ befindet (einstige Richtstätte?).

Erstmals ist der Ort 1334 als » Gmainholtz“ urkundlich erwähnt, womit aber nicht das ganze heutige Gmeinholzen, sondern damals nur die sogenannte Vordergmainholzner-Sölde gemeint war. Die Hintcrgmainholzner-Sölde ist erst 1560 urkundlich genannt, dürfte aber — obwohl einer anderen Grundherrschaft angehörig — wohl ebenso alt wie die erst-genannte Sölde sein. Der Ort liegt 473 Meter über N.N. und ist von fast allen Seiten von Wald umgrenzt. Er bietet jedoch zum Teil eine herrliche Aussicht in das Inntal und bei föhnigem Wetter bis zu den Alpen.

Weiler, 480 Meter über N.N., ma. Goiderberg“; urkundlich 1011 „Goldaraperc“, 1300 „Golderperg“. Der Name setzt sich zusammen aus dein ahd. „goldara“ und „perc“, mhd. „perg“, = Berg.

Ein Galt- oder Goltberg ist ein Berg oder eine Anhöhe, worauf das nichtmelkbare Vieh, also Jungvieh übersommert wird, der Galterer, ma. wohl „Goldara“ oder Goiderer“, der Hirte, dem dieses Vieh anvertraut ist (Schmeller 1/903). Der Ortsname Golderberg hat somit nichts mit Gold, Goldgräber oder Goldwäscher u. dgl. zu tun.

Erstmals wird Golderberg in der Urkunde Kaiser Heinrich II. erwähnt, laut der dieser im Jahr 1011 am I. November zu Frankfurt mehrere Ortschaften bzw. Güter, darunter auch zu Reischach, Aushofen, Lanzenberg, Wissersdorf und nicht zuletzt auch „Gol-daraperc“, eben unser Golderberg, an das Domstift Bamberg schenkte.

Im Herzogsurbar von 1300 ist Golderberg („Golderperg“) im Amt Reischach ebenfalls aufgeführt; es mußte jährlich zwei Kaufmetzen Gerichtshafer reichen.

Anfangs des 16.Jahrhundert werden die vier Güter zu Golderberg sowie das sogenannte Grubergut bereits einzeln mit den größtenteils heute noch geläufigen Namen genannt.

Weiler, 454 Meter über N.N., ma. „Groußöynberg“; doch der Ort wird fast nur »öynberg“ (= Illenberg) genannt, während man das weiter nördlich benachbarte Kleinillenberg gewöhnlich „Gloaöynberg“ (= Kleinillenberg) nennt.

Beide Namen bereiteten den Schreibern in alter Zeit oft erhebliche Schwierigkeiten, so daß uns die Schreibweise dieser Orte in vielerlei Variationen überliefert wurde.

Bereits um das Jahr 963 übergab der Edle Landprecht dem Erzbischof Friedrich von Salzburg einen Eigenbesitz, welchen er von seinem Herrn Pernhard zu „Upingespenh“ erhielt; dieser bestand aus zwei Einzelgehöften, Huben („duas hobas“), mit allem Zugehör, „que in illo monte sita sunt“, das heißt, welche auf jenem Berg sich vorfanden (rückbezogen auf „Ilpungesperch“). Dafür übergab ihm der Erzbischof eine Hube bei Piding nächst Reichenhall.

1535 war von jenen zwei Huben zu Illenberg nur noch ein Rest, nämlich das heutige Schneideranwesen, ein „Salzpurgisch Lechen“. Die übrigen Besitzungen dort und später auch das genannte Salzburger Lehen selbst gelangten sehr bald und auf Dauer an die Herrschaft Winhöring (Bamberger Erb). Allein das sogenannte Hofbauerngut zu Großillenberg wurde ein „Toerringsches Lehen“. „Ilpung“ bzw. „Ilpunch“ oder „Ilbunch“ und ähnlich, war damals ein durchaus gebräuchlicher männlicher Vorname. Illenbereb erklärt sich somit als Berg, auf dem ein „Ilpung“ siedelte. Weil das eine Gut — vermutlich durch weitere Rodungen oder Teilungen — insgesamt größer als das andere wurde bzw. war, zu dem beide geländemäßig verschieden hoch liegen, unterschied man bald in Ober- oder Großillenberg und in Nieder- oder Kleinillenberg. So heißt es 1468 von „Nidern Yllenberg“, daß dort „Cristlein auf des Geygers Guth“ jährlich ein halbes Pfund Pfennige Gült und 24 Pfennige Stift an den Winhöringer Amtshof der Dompropstei Bamberg gibt. Von Großillenberg heißt es da: „Obern Yllenberg, Item die Frau Fingerin gibt von zweyen Glitzern vj Schilling Pfennig und xxviij Pfennig“ Gült und Stift an die genannte Herrschaft. Mit den erwähnten zwei Gütern kann wohl nur der „Hofbauer“ und der

„Schneiderbauernhof“ gemeint gewesen sein, welche also damals beide im Besitz einer gewissen Frau Fingerin (Edelfrau?, Witwe?) waren.

Einöde, 476 Meter über N.N., ma „Hadlsperg“ (mit hellem „a“ gesprochen); urk. 1300 „Haetzlinsperg“, 1404 „Hätzleinsperg“.

Der Name kommt wohl von dem Personenname „Hatzilo“ als Verkleinerungsform von „Hatzo“. (Vergleiche auch Heitzmannsberg, welcher Ort als „Hoadlsperg“ gesprochen wird und damit von Unkundigen früher schon und heute manchmal mit unserem „Hadlsperg“ verwechselt wird!)

Allem Anschein nach hat es ursprünglich nur ein einziges, dafür großes Hofgut in Hatzelsberg gegeben. Dieses wurde vermutlich anfangs des 15.Jahrhunderts geteilt und daraus entstand der »Bauernhof“ und der Hof des „Schuster“ bzw. später des „Schneider“ zu Hatzelsberg. Im Jahr 1404, am St. Ullrichstag, ist der „Seydel von Hätzleinsperg“ unter anderen als Siegelzeuge erwähnt, als „Kathrey die Hützlingyn zu Hützling (= Hitzing) und Hainrich d Chunick“ (= König), ihr Sohn, und dessen Hausfrau dem Edelmann Martin Hohenecker ein halbes Pfund Wiener- und Öttinger Pfennige „Ezviggeld“ aus ihrem Gut zu „Hützling“ verkaufen. Bei diesem „Seydel“ (= Seifried) könnte es sich uni den Namen des damals noch einzigen „Bauern“ in Hatzelsberg gehandelt haben.

Weiler, insgesamt 4 Anwesen, ma. „Hauberg“; der Name kommt von „hauen“, mhd. „houwen“, d.h. von einer in mehreren „Gehauen“ abgeholzten und urbar gemachten Anhöhe.

Soweit bekannt, wird dieser Ort erstmals im Jahr 1300 im Herzogsurbar erwähnt; es heißt darin: „Aber ze Havnperg ji Chaufinetzen“, d.h. das Gut zu Haunberg im „Ampt ze Reischach“ hatte jährlich zwei Metzen Hafer an das herzogliche Kastenamt zu leisten. Vermutlich gab es damals nur ein Gut in Haunberg. 1435 dagegen wird im herzoglichen urbarsbuch im Gebiet des Amtes Reischach kein Haunberg, dafür aber ein „Kranperger“ aufgeführt, der je 22 Pfennige Mai- und Herbststeuern zu zahlen hatte. Es handelt sich hier vermutlich um einen Falscheintrag, der wohl richtig „Haunperger“ heißen müßte. Jedenfalls erfahren wir erst 1468 von zwei Anwesen in Haunberg, doch gab es damals sicher auch schon längst den Hof, den wir heute den Schmiedhof nennen, als dritten (er wird wohl das 1300 erwähnte Gut zu „Havnperg“ gewesen sein). Wie wäre es sonst möglich, daß das zweite Gut damals bereits den Namen „Mitterer“ führte, ein Name, der auf ein ungefähr in der Mitte von insgesamt drei Höfen stehendes Hofgut hinweist. Diese um die Mitte des 15.Jahrhunderts direkt bzw. indirekt genannten drei Buernhöfe von Haunberg lagen wohl ähnlich wie heute: zwei südlich und einer zweifellos nördlich der von Osten nach Westen verlaufenden Ortsstraße. Den heute nördlich der genannten Straße jedoch gegenüber dem „Schmied« gelegenen sogen. „Mayr zu Haunberg“ gab es damals noch nicht; er erscheint urkundlich erst gut 100 Jahre später. Haunberg liegt auf einer Anhöhe von 482 Metern über N.N.

Einöde (470 Meter über N.N.), ma. „Hoadlsperg“: dieser Name, wohl vom ersten Siedler dort namens „Haizmann“ sich ableitend, wurde und wird von Unkundigen gar leicht mit der mundartlich „HadIsperg“ (mit hellem „a“) und daher ähnlich lautenden Einöde Hatzelsberg verwechselt.

Heitzmannsberg wird urkundlich erstmals um 1165 erwähnt. damals übergab ein gewisser „Adelramus“ dem Kloster Baumburg ein Gut in dem Ort, der: genannt wird „Haicemannesperge“ und zwar unter der Bedingung, daß, gleich ob er einst vor oder nach seiner Ehefrau sterben sollte, er zum Begräbnis in das Kloster Baumburg überführt wird. Dieses Kloster blieb von da an ununterbrochen bis zur Säkularisation (1803) Eigentümer und Grundherr des Heitzmannsbergerhofes; es verlieh diesen Hof dem jeweils daraufsitzenden Bauern auf Leibrecht zur Nutzung.

Als das Kloster Baumburg damals diesen Hof erwarb und zudem bereits viele andere Güter im näheren und weiteren Umkreis, vor allem auch im angrenzenden heute nieder-bayerischen Raum sein Eigen nennen konnte, wurde Heitzmannsberg zum Mittelpunkt und Sitz eines Bau mburgischen Klosteramtes (Kastenamt) eingerichtet: zum „Offizio Hatzmansperig“. Jahrhunderte später, vermutlich anfangs des 14. Jahrhunderts, spätestens jedoch noch vor Erwerb der Hofmark Niederperach durch das Kloster im Jahr 1593, wur-de das Amt in „Klosteramt Ötting“ umbenannt und die Amtsstube (Lehenstube) nach Neuötting verlegt, in das sogenannte Kloster-Baumburgische-Haus (heute Heimatmuseum der Stadt Neuötting).

Der Klosteramtsbereich Heitzmannsberg bzw. Ötting reichte bereits 1245 von Rimbach bei Eggenfelden im Norden bis Tüßling im Süden, und von Grafing bei Pleiskirchen im Westen bis Kronwitten bei Zeilarn im Osten. Er umfaßte damals an die 46, im 17.Jahrhundert sogar an die 60 Gehöfte, darunter auch einige Mühlen. Jährlicher Stifttag für die Untertanen des Klosters in diesem Amtsbereich war jeweils der Sonntag nach Allerseelen (2.November), wo sie ihre Abgaben (Stift) zum Klosteramtssitz bringen mußten. Gleichzeitig (urkundlich schon 1507) war der Hof zu Heitzmannsberg ein sogenanntes Bruckedlgut. Damit war der Heitzmannsberger-Bauer auch dem Mautner (Zollner) zu Ötting dienstverpflichtet; er genoß aber speziell dafür besondere Privilegien und Steuerfreiheiten. Als Bruckedler mußte der Heitzmannsberger dem Ruf des Mautners folgen und bei „Aufruren“ sowie in „Feindszeiten und Kriegsläuften“ bei Tag und Nacht mithelfen, die Innbrücke bei Neuötting zu bewachen und zu beschützen.

Diese Bruckedelschaft, die in Friedenszeiten für den Bruckedlen angenehm, in Kriegszeiten aber sehr unangenehm sein konnte, wurde schließlich 1789 allgemein und für immer abgeschafft.

Erst anfangs des 19.Jahrhunderts ist dann der Heitzmannsbergerhof — wie auch sein Nachbar, der „Fürst“ und die meisten der anderen Bauerngüter in Bayern — freies Eigentum des jeweils darauf sitzenden Bauern geworden.

Der vorerwähnte, wenige Schritte südlich dem Heitzmannsbergerhof vorgelagerte soge-nannte Fürstenhof dürfte vermutlich später als der Heitzmannsbergerhof entstanden sein• Er wird — soweit bekannt — indirekt 1371, sicher aber erst 1435 erstmals urkundlich er wähnt.

Einöde, 430 Meter über N.N.; ma. „Heazed gelegentlich auch noch „Herezed“; 1471 urkundlich „Heroltzöd“.

Der Name kommt zweifellos vom altdeutschen männlichen Personennamen „Heroe oder „Herold(us)“; der im Salzburger Urkundenbuch noch Mitte des 12.Jahrhunderts mehrfach vorkommt. In unserem Fall ist somit der Name des ersten Siedlers erhalten geblieben, welcher letztendlich auch zum Namengeber dieser Einöde wurde.

Von Herzöd aus bietet sich eine sehr reizvolle Aussicht in das nahe Reischachtal und angrenzende Holzland. 1407 tritt der Ort — soweit bekannt — erstmals in Erscheinung.

Damals besaß „Ott Chaesär zu Öting“ neben dem Hof zu Schöffberg und der Schöffmühle am bzw. im Reischachbach auch »1 gütl gen(annt) Hewczöd…“, eben unser Herzöd.

Einöde, 440 Meter über N.N. (bei Haus-Nr. 99). Der Ortsname bedeutet hier ein völlig einsam am hintersten, zugleich untersten „Eck“ abseits der alten einstigen Winhöringer Erbgüter Iffelsberg und Rockersbach gelegenes Anwesen.

Unser Hintereck erscheint 1468 erstmals im Güterverzeichnis der Herrschaft Winhöring und gehörte noch bis 1848 mit Erbrecht dorthin. Die Existenz einer Behausung zu Hintereck dürfte jedoch spätestens auf das 13.Jahrhundert anzusetzen sein. Die Flur selbst ist ein Ausbruch aus der Flur Rockersbach.

ma. „Hizing“, Einöde, 460 Meter über N.N. Hitzing ist ein zwar später, aber echter ing-Ort! Zugrunde liegt der Personenname „Hitzilo“ als Verkleinerungsform von „Hitze. Am St. Ulrichstag 1404 verkauften „Kathrey die Hützlingyn zu Hützling und Hainrich d´Chunickh (= König)“, ihr Sohn, und dessen eheliche Hausfrau dem Edlmann Martin Hohenecker ein halbes Pfund Wiener- oder Oettinger Pfennige Ewiggeld aus ihrem Gut zu „Hützling“ bei Reischach. Um 1407 besitzt dieser vorgenannte „Haintzl Chunkch (= Heinrich König) von Wiskarsdorf (= Wissersdorf) Igut gen(annt) Hülczling…“ 1435 hatte der „hüzlinger“ jähr-lich 10 Pfennig Mai- und Herbststeuer an das herzogl. Kastenamt zu leisten; er zählte zu den Freisassen im Reischacher Amt. Gegen Mitte des 17.Jahrhunderts änderte sich die Schreibweise des Orts- und Hofnamens von „Hitzling“ zu „Hizing“, und im 19.Jahrhundert schließlich zu „Hitzing“. Bemerkenswert ist, daß es im 16. bis z.T. noch im 19.Jahrhundert auch in Golderberg einen „Hitzinger“- bzw. „Hitzlingerhof“ gab, der jedoch — soweit nachweisbar—mit unserem Hitzing nicht in Beziehung stand. Hitzing liegt auf einer sanften Anhöhe, etwa in der Mitte zwischen Hatzelsberg und Wipfelsberg. Es wird in gebührendem Abstand sowohl südwestlich als auch östlich von Waldungen begrenzt.

Einöde, 453 Meter über N.N.; ma „Houheisl“, dieser Name weist auf ein hoch auf einem Berg gelegenes Häusl hin.

Zweifellos ist hier eine vom Herzog angeordnete Rodung und Besiedlung dieser Einöde wohl erst gegen Anfang des 15.Jahrhunderts von der längst vorher bestandenen einst unten im Reischachbach gelegenen Schiff- oder Schöffmühle aus erfolgt. Zur Unterscheidung dieser Neugründung vorn unten im Tal gelegenen Mühlenan-wesen wurde diese erste bescheidene Hausstelle droben auf der damals sicherlich unvergleichlich kleinflächiger als heute gerodeten hochgelegenen Flur das „Hochhäusl“, 1517 „Hochbeisl” genannt. Später wurde eben immer mehr dazugerodet, bis schließlich gegen Beginn des 16.Jahrhunderts ein richtiger Bauernhof, eine Hube, daraus geworden ist. Der Hochhäuslhof tritt somit urkundlich auch erst 1517 in Erscheinung. 1535 wird er als ein „Herzogisch Lechenn“ bezeichnet. Er war nur von Kager her einerseits und von der Schöffmühle (heute Karrersäge) her andererseits mit einer Fahrstraße sehr beschwerlich erschlossen. Die heutige bequeme Zufahrt von Oberkobl her wurde erst gegen Mitte des 19.Jahrhunderts angelegt.

Weiler, ma „Houmiii“. Der Ort liegt landschaftlich sehr reizvoll eingebettet im Reischachtal, 392 Meter über N.N. (bei der Mühle).

Die Hochmühle, nach der südlich der Rockersbach in den Reischachbach einmündet, zählt zu den ältesten Mühlengründungen dieser Gegend. Sie dürfte überhaupt die erste und wohl längere Zeit auch einzige stationäre Mühle (daher der Name „Hochmühle“) am Reischachbach gewesen sein. Als Vorläuferin befand sich hier zweifellos eine oder auch mehrere nur auf Plätten oder Flößen gebaute, im Wasser schwimmende sogenannten Schiffs- oder Schöffmühlen. Der Reischachbach führte ja damals noch unvergleichlich mehr Wasser als heute (vergl. dazu auch die einstige Schöffinüble bei der heutigen Karrersäge!). Urkundlich ist die „Hochmuel im Ampt ze Reischach“ aber erst im Herzogsurbar vom Jahr 1300 aufgeführt. Der Inhaber dieser Mühle mußte damals neben anderen Abgaben jährlich zwei Hühner als „Stift“ an den Herzog geben.

Die Wasserkraft des Reischacher Mühlbachs und des sich vor der Hochmühle mit die-sem vereinigenden Mühlbachs des Rockersbaches zusammen war enorm. Sie ermöglichte es der Hochmühle von jeher nicht nur die Mühle selbst mit ihren Mahlgängen mittels eines großen und breiten oberschlächtigen Wasserrades zu betreiben, sondern gleichzeitig durch ein zweites solches Wasserrad auch noch ein einspänniges Sägegatter in Betrieb zu setzen.

Dieses Sägewerk war in der Lage, selbst die stärksten und kernigsten Eichenstämme zu Bohlen, Brettern oder Latten zu schneiden. Es wird dies auch der Grund dafür gewesen sein, daß gerade der „Mullner an der Homul“ im Jahr 1513 vom Chorherrenstift Altötting den Auftrag erhielt, »zu den großen Kirchentüren“ für die dortige Stiftskirche 22 schwere „Eichenladen“ zu liefern, wofür er je 20 Kreuzer bekam. Auch 62 Latten hatte er dorthin zu bringen.

Wie bei allen ländlichen Gewerbebetrieben gehörte auch zur Hochmühl eine Landwirtschaft, nach dein alten bayerischen Hoffuß als »halber Hof“ eingestuft. Hof und Mühle waren „erbrechtig“ zum herzoglichen bzw. kurfürstlichen Hofkastenamt Burghausen.

Eine wechselvolle Geschichte begleitet die Hochmühle im Laufe der Jahrhunderte; sie wurde baulich wie auch gründe- und ausstattungsmäßig immer wieder erneuert bzw. ver-ändert. 1728 ließ sich der Hochmüliner nordwestlich unweit der Mühle auf dem Berg ne-ben dem Sträßchen zur „Maiwies“ auch ein Zu- oder Austragshäusl aufzimmern.

Im Jahr 1796 entstand das ebenfalls noch erhalten gebliebene derzeitige Wohnhaus des Hochmüllnerhofes. 1867 wurde das ursprünglich hölzerne, doch bereits seit Ende des 18.Jahrhunderts gemauerte, aber nur zweigadig und mit drei Mahlgängen versehen gewesene Mühlengebäude um ein Stockwerk erhöht und auch das Sägewerk umgebaut. 1894/95 wurde dieses nochmals erweitert und 1895 anstelle des uralten hölzernen Einblatt-Registergatters ein unvergleichlich leistungsfähigerer moderner, von der Maschinenfabrik Andreas Esterer, Altötting, hergestellter eiserner Hängegatter angekauft.

1899 ist dazu neben der Sägehütte ein Anbau errichtet und darin eine stationäre Dampfmaschine als zusätzlicher Krafterzeuger eingebaut worden. 1919 wurde die Mühle nochmals um zwei Meter aufgestockt und ihre Einrichtung erneuert. Am 8. Mai 1923, mitten in der Inflationszeit, brannte dieses neue Mühlengebäude aus ungeklärt gebliebener Ursache völlig aus; die übrigen Gebäude blieben vom Feuer verschont. Der Wiederaufbau samt Neuausstattung geschah noch im selben Jahr. 1947/48 erfolgte die Demontage der kaum 50 Jahre alten Dampfmaschine. Anstatt dieser wurde der Einbau eines leistungsfähigeren Dieselmotors vorgenommen. So konnten nun Mühle und Sägewerk mit Wasser- und Dieselkraft gleichzeitig oder getrennt betrieben werden. 1959 erfolgte dann auch noch der Ausbau des 4,50 Meter im Durchmesser einnehmenden hölzernen Mühlen-Wasserrades. Es ist durch eine moderne und weitaus leistungsfähigere „Francis“-Turbine der Firma Eduard Ruch in Oberkirch/Baden, ersetzt worden.

Ungeachtet des damals längst eingetreten gewesenen allgemeinen Mühlensterbens ging der Betrieb auf der Hochmühle weiter, bis 1967 ein jähes und allzu tragisches Ende für den Müller und damit auch das Ende für die Hochmühle selbst kam. Als der Müllermeister Lorenz Keilhuber am Spätnachmittag des 21. März 1967 gerade im Transmissionsraum beschäftigt war, wurde er von den Riemen und Rädern der Transmission erfaßt und zu Tode gerissen. Drei Tage später, am Karfreitag, war seine Beerdigung.

Am I. April 1967 wurde dann der Betrieb abgemeldet und die Mühle und das Sägewerk für immer stillgelegt.

Gottlob blieben alle Gebäude unverändert erhalten. Auch ihre Einrichtung ist zum Teil

noch vorhanden, und die Turbine versorgt das Anwesen nach wie vor mit elektrischem Strom.

Im Zuge der in den Jahren 1978 bis 1988 durchgeführten umfassenden Gesamtrenovierung- und Restaurierung fast aller baulichen Anlagen dieses Anwesens, das seit 1974 unter Denkmalschutz steht, wurde auch das einstige Sägewerks-Wasserrad wieder betriebsfähig hergestellt. Dieses nun wieder plätschernd sich drehende Mühlenrad erinnert zusammen mit den Gebäuden des Hochmüllerhofes an einen einstigen viele Jahrhunderte lang florierenden wichtigen Gewerbezweig unserer Heimat; es dient aber auch zur nostalgischen Freude vieler hier vorbeipassierenden Menschen unserer Zeit.

Einöde, 507 Meter über N.N., 1404 urk. „Hohenekg“, heute ma. „Houneck“ gesprochen.

Hoheneck bedeutet einen langgezogenen, hochgelegenen Landrücken (Eck); hier auch die Wasserscheide zwischen Inn und Rott bildend. In Hoheneck finden wir das Stammleben des bekannt und weit verbreitet gewesenen adeligen Geschlechtes der „von Hoheneck“. Diese Edlen von Hoheneck sind in unserer Gegend, insbesonders in Reischach und nächster Umgebung, urkundlich von 1354 bis 1518 vielfach nachweisbar. Sie wurden 1716 in Österreich in den Freiherrenstand, 1775 in den Grafenstand erhoben und starben dort schließlich 1796 mit Johann Georg Achaz Graf von Hoheneck in der männlichen Linie aus.

Noch vor 1404 wurde das Stammlehen Hoheneck von dem „Salman Ulrich von Hohenekh“ an „Ott Nendelchiricher“ (=Endlkircher) weiterverliehen. 1438 teilten sich das Gut Hoheneck und alle übrigen den Hoheneckern gehörigen Lehensgüter dieser Gegend die Gebrüder Hermann und Ulrich von Hoheneck. Das Gut Hoheneck wurde damals in zwei separate Güter aufgeteilt. 1573 kaufte Bernhard Pogner, Toerringscher Richter zu Tüßling und Winhöring, den größeren Teil (=Hinterhohenecker). Am 11.September 1728 wurde dieser von den Erben Pogners gegen den Anderlbauernhof in Perach und das bis dahin zum Kastenamt Neuötting gehörig gewesene Wirtsgut (heute Springer-Wirt) in Töging a. Inn wieder an den Kurfürsten vertauscht. Das zweite und weitaus kleinere Gut zu Hoheneck, das sogenannte Klein- oder Vorderhoheneckergut blieb dagegen nach wie vor ein „fürstliches (Ritter-)Lehen“, bis es anfangs des 19.Jahrhunderts schließlich freies Eigentum des darauf sitzenden Bauern wurde. Auch das Groß- oder Hinterhohe-neckergut wurde ebenfalls bereits anfangs des 19.Jahrhunderts freies Eigentum des Hinterhoheneckerbauern.

Einöde, 470 Meter über N.N. ma. „Hoizschmid; der Name deutet auf eine einstige in oder an einem Wald gelegene Schmiede, was in unserem Fall auch zutrifft.

Die Schmiede am Holz wurde vermutlich im 16.Jahrhundert gegründet. Ihre erste uns bekannte urkundliche Erwähnung datiert aber erst auf das Jahr 1606. Die Flur ist wie das benachbarte Kreuzbinderanwesen ein Ausbruch aus der Flur Iffelsberg, zu der sie urkundlich gelegentlich auch später noch zählte. Das Holzschmiedanwesen gehörte ununterbrochen bis anfangs des 19.Jahrhunderts grund- und gerichtsherrschaftlich zur Hofmark Winhöring. Es war auf 1/16-Hof (Sölden) eintaxiert und dem jeweiligen Besitzer auf Erbrecht verliehen.

Einöde, 463 Meter über N.N. (bei Haus-Nr. 77), ma. „Iffaschberg“; 1468 „lnfridsberg“.

Der Ortsname leitet sich von dem Personennamen „Infried“ (Ingofried) ab und weist auf den Namen des ersten Siedlers auf diesem Berg hin. Ursprünglich nur ein einziges Hofgut, entstand — vermutlich spätestens Ende des 14. Jahrhunderts — durch weitere Rodung und Teilung der bis dahin zusammenhängenden Flur ein zweites jedoch wesentlich kleineres Anwesen. Von da an unterschied man vom „Großiffelsberger“ und „Kleiniffelsberger“.

Auch die beiden Anwesen „Kreuzbinder“ und „Holzschmied“ sind zweifellos, wenn auch später, Ausbrüche aus dem Uriffelsbergerhof; sie sind vermutlich erst im 16.Jahrhundert entstanden. Beide Iffelsbergerhöfe gehörten einst zu den Bamberger Erbgütern im Herrschaftsbereich Winhöring, welcher Hofmark sie niedergerichts- und grundherrschaftlich noch bis 1848 untertan waren.

Seit 1905 gibt es nur noch den Kleiniffelsbergerhof. Dieser befindet sich etwa 125 Meter etwas nordwestlich oberhalb des damals abgebrochenen und damit auch aus dem einschlägigen Flurkartenwerk verschwunden Großiffelsbergerhofes.

Einöde, ma. „Idowe«; der Ort liegt 405 Meter über N.N. auf einem sogenannten Tobel.

 

Dieser ist hier eine vorspringende leicht nach Süden hin abfallende Geländeterrasse, welche westlich vom Reischachbach, östlich vom bewaldeten, tiefen Aichberger- oder Indoblergraben, nördlich vom bewaldeten hohen Thannberg und südlich von der steil abfallenden, bewaldeten Böschung zum Inntal begrenzt wird. Indobl gewährt insbesonders von Südwesten (der sogenannten Himmelsstiege) her einen sehr malerischen Anblick.

 

Der Name „Indobl“ in alter Zeit meist „Intobl, Intobel, Inntobel“ oder gelegentlich »Im Tobel“ geschrieben, setzt sich aus den Silben und Wortbegriffen „in“ bzw. »im“ und „tobt“ bzw. „dobl“ (mhd. „tobel“) zusammen, was soviel wie „im (Wald-)tal“ bedeuten würde. Ein gar leicht zu vermutender Zusammenhang der Vorsilbe „in« mit dem nahen Innfluß scheidet hier sicherlich aus.

 

Bereits um das Jahr 1180 wird Indobi nach bisherigen Erkenntnissen erstmals urkundlich erwähnt. Damals schenkte der Edle Wolfram von „Hinhiltobele“ ein ihm gehöriges Gut zu Schwepfing (bei Aizgern) dem Kloster Raitenhaslach. Indobl war einst ein Ritter-und Edelmannsitz, auf dem als solche bis 1436 die „Intobler“ und von 1436 bis 1535 deren Nachfahren, die „Taschner von Intobl“, saßen. In der Zeit von 1535 bis 1538 gelangte der einstmals landtäfliche Rittersitz Indobi an einen Bauern, der ihn eigentümlich besaß. Bald wurde dieses Gut in zwei separate Höfe, den „Ober“- und dem „Unter-Indobler“ aufgeteilt und jeder davon zu einer Hube (= 1/2 Hof) eintaxiert. Diese anfangs getrennt bewirtschafteten Bauernhöfe wurden aber bald wieder „in Gründen vermischt“ von ein und dem gleichen Hofbesitzer bewirtschaftet. Anfangs des 17.Jahrhunderts hatte man dann die Indoblerhöfe wieder zu einem Gut (Unter-„Indobler“) vereinigt und dieses als einen 7/8-Hof eingestuft; es war immer noch »freieigen“. Das verbliebene Wohnhaus des einstigen Ober-Indoblerhofes diente fortan dem Indoblerbauern als Zu- oder Austragshaus. Im 18. Jahrhundert wurde es — wohl wegen Baufälligkeit — abgebrochen und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts etwa 75 Meter östlich des Hofes ein neues, das derzeitige Zuhäusl, errichtet

Weiler (634 bzw. 370 Meter über N.N.), ma. „Kdäer“. Dieser Name kommt vorn ahd. „hag“, am „g‘hag“ (Gehag), hier ein in alter Zeit mit einem lebenden Zaun (Hecke) eingefriedeter, besonders geschützter Grund eines direkt am Steilufer des Inns gelegenen Gehöftes.

Im Jahr 1407 hat „liebbart Kagrer 1 Mül im Räwschenpach (= Reischachbach) mit irm zugehörn, gen(annt) Kager, in Winheringer pfarr…“. Dieser Kagererhof samt Mühle war ein fürstliches Lehen. Von der Mühle heißt es 1721: „… wobey vor diesem ein Mihl gewesen, so aber durch den Reischenbach truckhen gesözt worden und solchennach abkommen ist…“

Die Ortschaft Kager erstreckt sich heute auf zwei Gemeindegebiete: Kager links (=östlich) des Reischachbaches zählt zur Gemeinde Reischach, das eigentliche Kager mit dem seit uralter Zeit bestehenden „Kagererhof“ (und dem Platz der einstigen Mühle), rechts des Baches aber gehört zur Gemeinde Winhöring. Auch in pfarr- und schulischer Hinsicht ist der Ort — wenn auch etwas anders — entsprechend aufgeteilt. Das zum Gemeindegebiet Reischach gehörende Kager hieß noch bis etwa 1830 amtlich „Neumühl(e)“, obwohl der Name Kager dafür schon längst gebräuchig war.

Hier stand nämlich in alter Zeit auch eine Mühle. Bis. gegen Ende des 19.Jahrhundert gab es dort zwei Anwesen. Heute sind es insgesamt sechs; vier davon wurden erst in neuerer bzw. neuester Zeit errichtet. Außer diesen wurde nach dem Bahnbau von 1868-1871 im Reischacher Bereich von Kager noch ein sogenanntes Bahnwärterhaus mit Dienstwohnung gebaut, das jedoch 1966 wieder ersatzlos abgebrochen wurde. Desgleichen entstand 1950 noch ein Anwesen, welches gegen Mitte der Siebziger Jahre im Zuge des Baues der Innstaustufe Perach wieder beseitigt wurde.

Einöde, 477 Meter über N.N. (bei der Burgruine), ma. „Keiserschberg“. Noch bis 1969 bestand dieser Ort aus drei Anwesen, wovon zwei Bauernhöfe und das dritte eine Burg war.

Heute dagegen sieht man auf dem Kaisersberg hinsichtlich Gebäude nur noch eine Burgruine und die Betriebsgebäude der dortigen zentralen Mülldeponie. In alter Zeit war der Kaisersberg ob seiner günstigen Lage hoch über dem Inntal und dem diesen einmündenden Isental ein strategisch wichtiger Punkt, den zweifellos auch schon die Römer kannten und nutzten.

Auch der gesamte dort noch sehr gut erhalten gebliebene frühmittelalterliche Burgstall mit seinen mächtigen Wall- und Grabenanlagen, im Volksmund die „Kaiserschanze“ ge-nannt, zeugt von der einstigen Bedeutung dieses Platzes. Sie zählt zu den größten derartigen Bodendenkmälern im östlichen Oberbayern. Der Name „Kaisersberg“ leitet seinen Ursprung angeblich in Erinnerung an jenes Geschehen ab, als der angehende Kaiser Ludwig der Bayer in der Nacht zum 29. September 1322 mit seinem Heer „… noch am Tage der Schlacht nach Oetting (zog) und dort eine durch die Isen und den Inn geschützte Stellung bezog… „; mit dieser geschützten Stellung dürfte zweifellos unser Kaisersberg gemeint gewesen sein.

Im späten Mittelalter ist sogar eine gemauerte Burganlage auf dem Kaisersberg nachweisbar. Sie muß aber wohl Ende des 15.Jahrhunderts bereits verlassen und weitgehend verfallen gewesen sein, denn gegen Mitte des 16.Jahrhunderts wird sie nämlich in der herzoglichen Landtafel beschrieben als „Khaysersperg, ein alt zerbrochen Schloß im Gericht Öetting, Rentamts Burgkhausen“, das 1538 samt dem benachbarten Sitz Burgfricd den Edlen von Trenbeck und 1593 den »Herren Georgen von Törring Erben“ gehörte. Philipp Apian nahm diese verfallene Burg mit entsprechender Signatur sogar noch in sein im Jahr 1568 erschienenen Kartenwerk auf. Es darf angenommen werden, daß im 17.Jahrhundert dann die letzten Reste dieser Ruine beseitigt wurden.

Gleichzeitig existierte unweit östlich jener Schloß- oder Burganlage der dazugehörige »Hofbau“, ein Bauernhof, welcher im Volksmund der „Kaiserhof“, urkundlich aber stets der „Kaisersbergerhof“ genannt wurde. Im 1468 angelegten Winhöringer Urbarium der Dompropstei Bamberg sind das Gehöft „Keysersberg“ und der ihm benachbarte Hof zu „Rewt“ (= Reiter in Ecken) als gemeinsam genutzt aufgeführt. Es heißt da: „Item der Nik-kel und der Richter geben von einem Gut iij Schilling und iiij Pfennig und noch von einem Güthlein Lxxij Pfennig das sie dan auch innen haben.“ 1471 dagegen wird der Hof zu Kaisersberg und der Hof zu Reh gesondert und dabei der Letztere den Abgaben nach als der weitaus größere erwähnt.

Der Ort Karrersäge, ma. „Karrersag“, ein Weiler mit vier Anwesen, befindet sich am rechten Ufer des hier allmählich in die Weite des Inntals übergehenden, landschaftlich sehr anmutigen Reischachtales; er liegt ca. 374 Meter über N.N. (beim Anwesen Hs.-Nr. 79).

Eigentlich müßte diese Ortschaft „Schöffmühl“ heißen. An dieser Stelle befand sich nämlich in ganz alter Zeit eine — wie der Name sagt — im Wasser des Reischachbaches schwimmende Schiffsmühle. Wenige Schritte oberhalb dieser Schiffsmühle über dem steilen Bachufer, am Fuße des „Schöffberges“, stand das Haus des Schiff- oder Schöffmüllers, das sogenannte Schöffmühlhäusl. Spätestens im 14. Jahrhundert wurde diese Schiffsmühle von einer stationären Mühle abgelöst. Die um 1407 urkundlich erwähnte „mül daselbs… zu Schefperig“ dürfte bereits eine hier auf festem Grund gebaute Mühle gewesen sein. Der Name „Schöffmühl“ wurde dann eben auf diese übertragen. Noch auf der alten Flurkarte von 1824 ist das Anwesen „Schöffmühlhäusl“ als cinfirstiges Gebäude eingetragen. Es stand wenige Schritte westlich oberhalb des derzeitigen Sägewerkes, direkt an der Straße zur sogenannten Himmelstiege. Von dem Häusl führte damals ein Gangsteig herab in den Bach. Die Schöffmühle war noch 1417 ein Seiberstorffersches Lehen, anfangs des 16.Jahrhundert dagegen halb fürstliches Lehen und halb „Bamberger Erb“ nach Winhöring. In der zweiten Hälfte des 16.Jahrhunderts (urkundl. 1588) wurde das Gütl samt der Mühle ausschließlich „fürstlich Leben“; es war also ab da der Landesherr zugleich auch gänzlich der Grundherr.

Dies blieb so bis anfangs des 19.Jahrhunderts.

Um 1692 wurden bei einer furchtbaren Hochwasserkatastrophe nicht nur die Nachbarsmühlen zum Teil bzw. ganz zerstört, sondern dabei auch die Schöffmühl „truckhen gesözt“, so daß sie schließlich gänzlich und für immer abgebrochen werden mußte. Auch die zum Anwesen gehörigen landwirtschaftlichen Gründe wurden damals zum Großteil verwüstet beziehungsweise weggerissen.

Gegen Mitte des 18.Jahrhunderts gelangte, das seinerzeit vom Hochwasser verschont gebliebene Schöffmühlhäusl mit allen noch dazugehörigen Gründen als Zubaugütl in den Besitz des Hochhäusl-Bauern. In dessen Besitz und schließlich Eigentum verblieb es bis 1873. Doch bereits in der Zeit zwischen 1824 und 1851 wurde dieses damals schon längst nicht mehr bewohnt gewesene Häusl — wohl wegen Baufälligkeit — abgerissen. Da der Name „Schöffmühlhäusl“ bei den alten Leuten dieser Gegend die Erinnerung auch an jene einstige längst abgegangene Mühle noch immer wachhielt, gründete 1878 der Karrer Johann Ecklkofer von Reisebach an deren Stelle — und auf jene abgegangene Mühle sich berufend — eine Sägmühle. Dieses neue Sägewerk wurde dann aber nicht etwa die „Schöffmähl-Säg“, sondern, nach ihm, die „Karrersäge“ benannt. Dieser Name wurde schließlich auch zum amtlichen Ortsnamen und der uralte einstige Name „Schöffmühl“ bzw. „Schöffmühlhäusl“ ist nun ausgelöscht und zudem allgemein längst völlig aus der Erinnerung entschwunden.

Einöde, 480 Meter über N.N., mundartlich »Keaschbihe“. Der Name bedeutet soviel wie am Kirschenhügel, d.h., ein Hügel (Bichl), wo einstmals viele Kirschbäume standen und solche wohl dort auch besonders gut gedeihen.

Im Urbarium der Dompropstei Bamberg von 1468, das alle zur Herrschaft Winhöring gehörigen Güter aufweist, ist der Ort bzw. das Gut als „Püchel“ der Reihenfolge nach zwischen den Ortschaften „Scheffberg“ und „Purgtor“ (= Pistor) aufgeführt.

Einöde, ma. ,,Keaberg“, von ahd. „chien“, mhd. „kien“ = Kienföhre, Kiefer; Kienberg ein mit Kiefern (Föhren) bewachsener Berg. Der Ort besteht aus zwei über 400 Meter voneinander abgeschiedenen Einzelgehöften: dem Unter- und dem Oberkienbergerhof. Ersterer liegt 480, der andere 497 Meter über N.N.

Kienberg ist weit über 1000 Jahre lang besiedelt. Am 30. Juni des Jahres 933 übergaben der Edle Ogo und seine Gemahlin Gotine dem Erzbischof von Salzburg ihren Besitz zu Rott mit 10 Hörigen und gewährten zugleich die Investitur, wofür ihnen der Erzbischof bis zu ihrem Lebensende eine Hube zu » Chienperch“ mit allem Zubehör sowie einen Hof zu Bruck (a. d. Alz, südöstl. von Kastl) und zu Eschelbach (b. Neuötting) überließ. Es handelte sich hier zweifellos um den Oberkienbergerhof, welcher auch später noch, im Gegensatz zum Unterkienbergerhof, stets als eine Hube (= 1/2 Hof) ausgewiesen ist. Gegen Ende des 12.Jahrhunderts erscheinen in den Traditionsnotizen des Klosters Raitenhaslach adelige Personen, die sich nach unserem Kienberg »von Chaeberch“ benannten, als Zeugen: So um 1190 » Luipolt de Chaeberch“ sowie „Hainricus de Chaeberch“ und ein weiterer „Hainricus de Chaeberch“ samt seinen zwei Söhnen „Engelbertus“ und „Hainricus“, als das Gut Biburg (b. Neukirchen a. d. Alz) einem Rechtsgeschäft mit dem Kloster Raitenhaslach unterzogen wird.

Daß also der sehr malerisch auf einem hochgelegenen ziemlich steil nach drei Seiten hinabfallenden Geländesporn sich befindliche Oberkienbergerhof in alter Zeit ein Edelmannssitz war, ist demnach nicht nur eine überlieferte uralte Sage, sondern eine geschicht-liche Tatsache.

Einöde mit Kirche, ma. „Kiachahauberg“ (483 Meter über N.N.). Der Name kommt – ebenso wie bei Haunberg – von „hauen“, mhd. „houwen“, d.h. von einer in mehreren „Gehauen“ abgeholzten und urbar gemachten Anhöhe.

Bei dem dann errichteten Gehöft wurde bald auch ein Kirchlein, als Eigenkirche eines Gutsbesitzers erbaut. Es hauste nämlich in alter Zeit auf diesem nach drei Seiten ziemlich steil abfallenden Geländesporn, der heute noch zu etwa dreiviertel von Wäldern umschlossen ist, ein Edelgeschlecht. So ist am 3.Juni 1254 „Otto der Havnperg“ als Zeuge genannt, als die verwitwete Pfalzgräfin Adelhaid von Bayern und ihre Tochter Elisabeth ihre Besitzungen zu Westerndorf (Gemeinde Perach) dem Kloster Raitenhaslach übergeben. Im Urkundenverzeichnis dieses Klosters sind im Jahr 1360 auch „Ortlieb Hauenberger“ und dessen Vetter „Heinrich der Hauonberger“ eingetragen. Um 1407 gehörte »der Hof zw Hawnperig“ und ein weiteres Gütl dort, » das bei der Hulgen“, sowie ebendort „ein Selden“ bereits zur Lehenschaft des Martin Hohenecker, einem angesehenen Edelmanne dieser Gegend.

1468 ist Kirchhaunberg als »Kirchberg… in parochia reisach“ (= Pfarrei Reischach) mit zwei Anwesen bzw. einigen Gründen im Winhöringer Urbarium der Dompropstei Bamberg aufgeführt. Ebenso ist darin das andere „Haunberg“ bei Reischach erwähnt, das mit zwei Gütern ebenfalls dieser Grundherrschaft angehörig war und somit beide Haunberg nicht zu verwechseln sind. Ebenfalls 1468 gehörte zum Haunbergerhof auch noch das be-nachbarte „Infridsberg“ (= Iffelsberg, wohl das sogenannte Kleiniffelsbergergütl), für welches der Haunberger-Gutsbesitzer jährlich jeweils 72 Pfennig an die für dieses Gütl zuständige Grundherrschaft Winhöring („Bamberger Erb“) leisten mußte.

Anfangs des 16.Jahrhunderts war der Haunbergerhof immer noch im Besitz der Hohenecker. 1508 saß „Urban Hohenegkher zu Hawnnperg“ auf diesem Anwesen, das damals als Edelmannsitz in die herzogl. bayer. Landtafel eingetragen war. 1538 war dann die Hubc zu Haunberg längst ein „Bruckedlgut“. Es zählte damit der Haunberger zu den etwa 20 solchen Bruckcdlen im Landgericht bzw. Mautamt Oetting (= Neuötting). Er blieb jedoch freier Eigentümer seines Gutes. Lediglich mit einigen Gründen war er — wie schon seit alters her — auch noch zur Hofmark Winhöring mit Erbrecht grundbar, und dies bis anfangs des 19.Jahrhunderts.

Weiler, etwa 650 Meter nördlich von Großillenberg gelegen; 1468 „Nidern Yllenberg“ (=Kleinillenberg).

Die Deutung des Namens, die erste urkundliche Erwähnung und Geschichte ist gleich wie bei Großillenberg (vgl. dort!). Obwohl der Kleinillenbergerhof geländemäßig um etwa fünf Meter höher liegt als das höchstgelegene Anwesen zu Großillenberg, war in alter Zeit offensichtlich nicht die Lage des Gehöftes, sondern die Höhe des Berges, an dem sich das Gehöft befand, für seine geographische Bestimmung ausschlaggebend. Der „Großillenberg“ ist an seiner höchsten Stelle 470 Meter über N.N., der „Kleindlenberg“, wo der Hof auf dessen höchster Erhebung steht, nur 459 Meter über N.N. Er ist also 1468 mit Recht als der „Nidern Yllenberg“ bezeichnet worden.

Einöde, 450 Meter über N.N., urkundlich 1461 2, Kolbersperg“, 1471 „Cholbersperg“. Mundartlich wird der Name heute „Koiwerschberg“ gesprochen;

er leitet sich vermutlich von einem einstigen Besitzernamens „Kolumban“ oder „Koloman“ ab (vgl. die Nähe der St.-Kotomans-Kirche von Kirchhaunberg!); zu denken wäre vielleicht auch an den Namen „Colbert“. Kolbersberg war ursprünglich offensichtlich ein von der Dompropstei Bamberg den einstigen Edlen von Haunberg (= Kirchhaunberg) und deren Nachkommen zu Lehen gegebenes Gut.

Am „Erichtag vor Pfingsten“ 1461 erwarb Hans Trenbeck zu Burgfrid von „Heinrich Haunperger“ durch Kauf ein Gut zu „Kolbersperg“. Weil dieses Gut im Bamberger Erb Winhöring war, siegelte die Kaufsurkunde der Erbrichter von Winhöring, Hanns Reiter von Klebing. Um die Mitte des 15.Jahrhunderts gab es jedoch zu Kolbersberg zwei an-scheinend gleich große Bauerngüter. So heißt es z. B. 1468: „Kolbersperg: Item Cuntzel gibt von einem Guth 1 Pfund Pfennig und xxiiij Pfennig. Item der Friedlein gibt von einem Guth I Pfund Pfennig und xxiiij Pfennig“ Zins bzw. Gult an die Herrschaft Winhöring. 1485 wurde dieses zweite Gut zu Kolbersberg, das auch bereits zur Herrschaft Winhöring gehörte und das damals „Hanns Kobler“ zu Lehen besaß, an Wilhelm von Trenbeck zu Burgfried, Kastner zu Eggenfelden, verkauft. Vermutlich war eines davon das etwa 225 Meter weiter westlich benachbart gewesene, heute seit Menschengedenken nicht mehr existierende sogenannte Wildeneckergütl. Oder war etwa das einstmals zum Kolbersbergerhof gehörig gewesene Zu- oder Austragshäusl der Rest jenes zweiten Hofes? Letzterer Fall wäre nicht undenkbar, da derartige historische Hofentwicklungen in unserer Gegend öfters anzutreffen sind.

Einöde, 485 Meter über N.N., ma. „Greizbinder“; der Name leitet sich von einem dort einstmals gestandenen markanten Kreuz ab, in dessen unmittelbarer Nähe diese 1/16 Sölden dann gegründet wurde.

Und weil in dem Anwesen Jahrhunderte lang das Binder- oder Schäfflerhandwerk ausgeübt wurde, erklärt sich auch die zweite Namenssilbe. Eine Deutung nach „G(e)reut“ (von Rodung) scheidet somit hier aus. Das Kreuzbinderanwesen wie auch das ihm unweit benachbarte Holzschmiedgütl dürften vermutlich erst gegen Ende des 16.Jahrhundert entstanden sein; beide erscheinen urkundlich aber erst anfangs des 17.Jahrhundert und waren zweifellos schon von Anfang an zur Herrschaft Winhöring gerichtsbar und mit Erbrecht grunduntertan.

Weiler (465 Meter über N.N.), ma. „Lanznberg“.

Der Name kommt zweifellos von dem ahd. Personennamen „Lanze“. Lanzenberg ist somit zu erklären als Berg, auf dem ein Lanzo siedelte. Damit ist uns auch der Name des ersten Siedlers dort überliefert worden. Urkundlich wird unser Lanzenberg erstmals am 1.November des Jahres 1011 erwähnt, als Kaiser Heinrich II. neben Reischach, Aushofen, Golderberg und anderen Ortschaften bzw. Gutshöfen auch das Gut „Lanzinperc“ an die Kirche von Bamberg schenkte. Der Ort mußte somit schon wesentlich früher gegründet worden sein. 1435 gab „Ottel von lanzenperg“ je 34 Pfennig Mai- und Herbststeuer pro Jahr an das herzogl. Kastenamt. Das wesentlich kleinere Gut des „Ott von lanzenperg“ war damals mit nur je 12 Pfennig dieser Steuer belegt. Bei den genannten zwei Höfen handelte es sich höchstwahrscheinlich um den späteren „Sieglhof“ und dem heute in dem Sieglhof aufgegangenen nicht mehr existierenden sogenannten Haynsen- oder Heissenhof mit seinem Zubaugütl. Im Jahr 1011 hat — wie wir noch genauer erfahren werden — aber auch schon längst das dritte Hofgut, der „Elfasen“- oder „Liasenhof“ existiert. Die in unserer Zeit aufgefundenen Erdställe sowohl beim Siegl wie auch beim Liasen weisen zudem zweifellos auf eine sehr frühe Besiedlung des Ortes hin.

Vormals Einöde, jetzt ein Weiler mit vier Anwesen, 410 Meter über N.N.; ma. „Moawiesweb“ (fälschlich in Unkenntnis des Ursprünglichen gelegentlich auch „Maiwiesweb“ geschrieben).

Das alte Maierwiesweber-Anwesen, einst auch „Wieshäusl“ genannt, war ein Ausbruch aus dem Hofbauerngut zu Großillenberg, von dem diese bereits 1592 urkundlich erwähnte Zubausölde mit 1,59 Tagwerk Grund am 24. Oktober 1812 durch Verkauf um 300 Gulden abgetrennt und damit selbständig wurde. Den Grund, worauf das Häusl mit nördlich angebautem Stall stand, hat man seit alters her die „Mayrwies“ (ma. „Moawies“) gcnannt. „Mayr zu Illnberg« hieß in ganz alter Zeit (urk. 1435) das Hofbauerngut zu Großillenberg und weil in dem „Häusl“ drunten in der „Mayrwies“ mehrere Generationen lang das Weberhandwerk ausgeübt wurde, erklärt sich auch die (verstümmelte) Schlußsilbe des Ortsnamens. Als das Wieshäusl noch Bestandteil des Hofbauern-gutes war, ist es meist an Handwerker- oder Taglöhnersfamilien vermietet gewesen. So wurde z. B. 1646 dem »Johann Wurzer bey dem Hofbauern auf der Mayrwiß, ain Inmann“, ein Sohn namens Urban geboren und getauft. 1668 ist ein „Hannsen Schneider-baue, Inwohner auf der Mayrwiß, und Maria sein Eheweib“ beurkundet.

ma. „Mittermöi“, Weiler, 399 Meter über N.N. Der Name „Mittermühl“ kommt von einer Mühle, die bachabwärts gezählt, zwischen der „Obermühle“ und der „Brandmühle“ stand.

Allein diese drei genannten Mühlen lagen links, d.h. östlich des Reischachbaches und gehörten damit zur „Obmannschaft Reischach“. Der Bach bildete hier die Obmannschaftsgrenze, zum Teil auch die Amtsgebietsgrenze.

Die „Kagermühle“, die „Schöffmühle“sowie die „Hochmühle“ und die „Keimerlrnühle“ lagen dagegen rechts, d.h. westlich des Reischachbaches und gehörten zur „Obmann- schaft Reischenbach“ im Amt Reischach, bzw. erstere zwei zur „Obmannschaft auf dem Öcken“ im Amt Winhöring; sie waren also deshalb hier wohl nicht namengebend. Die einstige zwar östlich des Reischachbaches gelegene „Neumühle“ (Ortschaft heute zu Kager gehörend) entstand — wie ihr Name schon verrät — erst viel später. Jene Mühle scheidet daher zur Namensbildung für unsere „Mittermühle“ ebenfalls aus. Von den beiden einstigen Mühlen Brandmühle, Mittermühle und Obermühle dürfte letztere aber die weitaus jüngere sein. Um 1405 gehörte die „Mittermul in dem Räwschachpach“ zur Lehen-schaft des Edelmannes Martin Hohenecker. Im herzoglichen Urbarsbuch vorn Jahr 1435 ist diese Mühle ebenfalls verzeichnet: Damals gab der „Mitemüllner“ 12 Pfennig Herbst-und Maisteuer jährlich an das herzogliche Kastenamt; er zählt zu den Freisassen im Bereich des Amtes Reischach. Hof- und Mühle blieben auch später frei eigen, also keiner Grundherrschaft unterworfen. Dazu gehörte ab 1650 auch »freieigen“ ein 1/32-Zuhäusl. Dieses wurde im 16.Jahrhundert noch das „1/4 Maihofer“-Gütl (hier wohl von „Möi“hofer =Mühlhofer) genannt und war damals noch ein selbständiges, von der 1/8-Mittermühle unabhängiges Anwesen. War es ursprünglich die Hofstatt, aus der die Mittermühle später hervorging?

Es stand nach der ältesten genauen Flurkarte von 1824 jenseits des Reischachbaches, etwa 75 Meter südwestlich oberhalb der Mittermühle auf dem — heute durch Auffüllung veränderten — Plateau am alten Fahrweg nach Großillenberg. Es lag damit — im Gegensatz zur Mittermühle — im Bereich der Obmannschaft Reischenbach. 1864 hatte man dann diesen damals immer noch als „Häusl mit Hütte“ bestandenen Gebäudekomplex abgebrochen. 1930 wurde das gesamte Mittermüller-Anwesen, das bis dahin nur jeweils einen Eigentümer hatte, in zwei verschiedene Anwesen und Eigentümer aufgeteilt: den Mittermüllerhof mit der alten Hausnummer 59 einesteils und die Mühle mit Schneidsäge samt dem damals neuerbauten Wohnhaus der Müllersfamilie, das die Hausnummer 591/3 (heute Haus-Nr. 63) bekam, andernteils.

Einöde, ma. „Owerfrüesing“, Gegensatz: Unterfriesing.

Der Name „Friesingen“ bzw. „Vriesing“ oder „Friesing“ ist schwer deutbar. Höchst-wahrscheinlich siedelte hier einst die Familie eines „Friso“ (auch „Frieso“, alter deutscher Vorname, ursprünglich Beiname „der Friese“). Friesing würde somit etwa „bei den Leuten des Frieso“ bedeuten. Das „ingen“ bzw. „ing“ läßt zwar eine sehr frühe Besiedlung Friesings in der Zeit der bayer. Stammesbildung vermuten, doch dürfte sie hier wohl nicht vor dem 9. Jahrhundert erfolgt sein)

Um das Jahr 1150 übergab der Edelmann Ekehard von Arbing, ein Laienbruder, in An-wesenheit von sechs Zeugen zu seinem und seiner Vorvordern Seelenheil sein Gut, das er in dem Ort hatte, der „Friesingen“ genannt wird, dem Kloster Baumburg. Vermutlich gab es damals nur das eine Gut zu Friesing, welches jedoch bald darauf in zwei Einzelgehöfte aufgeteilt wurde. Im Güter- und Abgabenverzeichnis des Klosters Baumburg vom Jahr 1245 werden zu „Vriesing“ bereits zwei Huben erwähnt. 1300 gaben „Chonrad ze Friesing“ und sein Nachbar „Ortlieb da selb“ jeder 10 Metzen Vogthafer zum Kasten des herzoglichen „ampt dez chamraer von AErbing“ (= Arbing). 1435 gab das Gut »Obern Friesing fünff mezen habern, vierzigk pfennig maystewr, vierzigk (Pfennig) herbstewr“ an das herzogliche Kastenamt. Vom Nachbarn heißt es damals: »Item Niedern Friesing ein Hueb gehört gein pawnburg, (gibt) zehen mezen habern grozz mazz (= großes Maß), dreyssigk pfenig mayst(eue)r, dreyssigk (Pfennig) herbstewr…“. Beide Güter liegen im „ambt zu Reysach“. Die grundherrliche Zugehörigkeit beider Friesingerhöfe zum Kloster Baumburg dauerte bis zur Säkularisation 1803, wo dann an dessen Stelle der Staat als Grundherr auftrat. 1848 waren beide Höfe endlich Eigentum ihrer Besitzer.

Oberfriesing liegt sehr malerisch auf einem von Wäldern umgrenzten Höhenrücken, 467 Meter über N.N., der höchste Punkt (östl. oben bei der Buche) sogar 491 Meter. Von dort aus hat man bei klarem Wetter eine herrliche Aussicht, vor allem ins Inntal und in das hügelige Holzland, an föhnigen Tagen sogar bis zur Alpenkette.

Einöde, 473 Meter über N.N., ma. „Owerkowe“. Der Name kommt vom mhd. „kobel“ = Kasten, Hütte, kleines Haus; ein „Kobler“ bedeutete soviel wie Häusler.

Damit hat dieses Einödgehöft eine ähnliche Entstehungsgeschichte wie das benachbarte Hochhäusl. Die Gehöfte zu Oberkobl und zu Unterkobl dürften jedoch wesentlich früher, spätestens im 13.Jahrhundert, entstanden sein und gehörten wohl, zumindest was ihre Gründe betrifft, zu dem Winhöringer Güterkomplex, welchen Kaiser Heinrich II. im Jahr 1018 dem Domkapitel zu Bamberg schenkte.

Da 1407 bereits „Niedernchopel“ urkundlich erwähnt wird, muß es jedenfalls damals auch schon Oberkobl gegeben haben. Im Urbarsbuch der Dompropstei Bamberg von 1468 wird dann Oberkobel auch direkt erwähnt. Es heißt da: „Obern Kohl: Item Lindlein von Kobel gibt von einem Guth I Pfund und xxiiij Pfennig.“

Einöde, ma. „Owerleitn“ (das „b“ wird als „w“ gesprochen). Der Name weist auf einen freien nach Süden abfallenden Hang hin; die Leite, vom ahd. „blita“, mhd. „lite“ = Abhang.

Ein Kuriosum ist, daß das Kloster Raitenhaslach — Grundherr des Oberleitnerhofes bis zur Säkularisation — den Ort bzw. Hof als „Leutoltsleiten“, später auch als „Lutzenleiten“ in seinen Güterverzeichnissen führte, während er in den landgerichtlichen Steuerbüchern und in den Kirchenbüchern stets als „Oberleiten“ erscheint. Lediglich anfangs bis Mitte des 17.Jahrhunderts wird er darin auch gelegentlich „Obermiilleitner“ genannt. Es dürfte sich bei letzterer Bezeichnung aber mehr um einen transferierten Familiennamen als um einen Orts- oder Hofnamen gehandelt haben. „Leuthold« und „Lutz“ dagegen sind uralte männliche Vornamen, wohl Namen von einstigen (ersten?) Besitzern. Oberleiten liegt 900 Meter nordwestlich der Einöde Niederleiten, 465 Meter über N.N. in schöner landschaftlicher Lage, an drei Seiten vom Wald umgrenzt. Seine erste sichere urk. Erwähnung ist vom Jahr 1334.

Einöde, 406 bzw. 415 Meter über N.N., ma. „Owermöi“. Die Obermühle, von welcher der Ort seinen Namen ableitet, war der Lage und späten Beurkundung nach aller Wahrscheinlichkeit ursprünglich nicht die „obere“, d.h. bachaufwärts gezählt, oberste Mahlmühle am Reischachbach.

Urkundlich erscheint sie 1435 erstmals. Sie war vermutlich damit auch nur bedingt namengebend für die ihr benachbarte nur 200 Meter bachabwärts gelegene „Mittermühle“, die wesentlich älteren Ursprungs ist. Vielmehr dürfte es eine längst vor Bildung der Obmannschaften, also noch längst vor Mitte des 15.Jahrhunderts mitten im Dorf Reischach gestandene Mühle heute nicht mehr bekannten Namens, oder gar die einstige sogenannte Kaimerl-Mühle am südlichen Ortsende von Reischach gewesen sein, die wir als die ursprüngliche „obere Mühle“ betrachten dürfen. Vielleicht war unsere Obermühle sogar die direkte und auch namensgleiche Nachfolgerin jener „Ur-Obermühle“ Im Jahr 1538 brannte unsere Obermühle aus unbekannten Ursachen nieder; auch die ganze „varnus ist im verprunnen“, wie damals der Obermüller dem herzoglichen Steuerbeamten klagte. Die Mühle samt allen Gebäuden wurde aber bald wieder aufgebaut; der Betrieb konnte also weitergehen. Schon Ende des 16.Jahrhunderts und noch Mitte des 17.Jahrhunderts war der Obermüller Besitzer mehrerer Anwesen. Er besaß z.B. 1671 unter anderem gleichzeitig die Wirtstaferne und mehrere Bauerngütl in Reischach, darunter auch das sogenannte Völkl- oder Holzheiblgütl. Dieses Bauerngütl stand mitten im Ort Reischach (heute Schwesternhaus mit Kindergarten). Und weil mehrere Generationen „Obermüller“ dieses Anwesen innehatten, wurde es von den Leuten bald das „Obermüllergüll“ genannt. Die eigentliche Obermühle aber, bei der wohl auch eine Ölstampfe betrieben wurde, erhielt den Spitznamen „Stampflmühl“.

Im 19.Jahrhundert hing außen am Hausgiebel dieser Stampfl- oder Obermühle ein altes, schon von weitem sichtbares großes Kruzifix, und so wurde diese Mühle schließlich im Volksmund auch die „Herrgottsmöi“ (Herrgottsmühle) genannt. Nur amtlich verblieb ihr der Name „Obermühl“.

Weiler mit drei Anwesen (465 Meter über N.N. bei Haus-Nr. 30); ihm etwa 400 Meter südlich benachbart ist der Weiler Unterthal.

Von der hiesigen Bevölkerung wird jedoch zwischen Ober- und Unterthal nicht unterschieden, sondern schlichtweg nur vom „Doi“ (Thal) gesprochen. Um dabei aber die einzelnen Anwesen in den beiden Ortschaften nicht zu verwechseln, wird dem Ortsnamen“Thal“ seit jeher der jeweilige Haus- oder Hofname davorgesetzt, z. B.: „Lix im Thal“ bzw. „Salzfinger im Thal“ usw. Der Weiler Oberthal umfaßt auch den etwas abseits liegenden und deshalb im Laufe seiner Geschichte zeitweise sogar als eigene Ortschaft erwähnten sogenannten Perseisenhof. Auch wurde urkundlich gelegentlich der Perseisenhof zu Oberthal gehörig genannt, während dabei der Salzinger-und der Wimmerhof als im „Mitterthal“ gelegen bezeichnet wurden.

In Fuchshub abzweigend führt hinauf durch das langgezogene breite Tal seit alter Zeit eine Straße, welche ganz oben in eine ebenso alte in Richtung Ost-West verlaufende, sehr wichtig gewesene Landstraße einmündet. Letztere ist nämlich jene uralte „Rottstraße“, von der es noch 1606 heißt, daß sie „von Braunau auf Neumarckht geet.“

Zweifellos war Unterthal mit seiner damals noch eng an der Verkehrsstraße gestandenen uralten Schmiede schon viel länger besiedelt als Oberthal, das erst in einer späteren Rodungsperiode, vermutlich im 10. oder 11. Jahrhundert, entstanden sein dürfte.

Im Herzogsurbar von 1300 sind nur zwei Gehöfte in Thal aufgeführt, doch wird hier noch nicht zwischen Ober- und Unterthal unterschieden. Damals mußte „Ott in dem Tal“ und „Ludwig in dem Tal“ jeder jährlich 10 Metzen Vogthafer in das Amt des herzoglichen Kammerers von Arbing geben.

ma. „Bezlberg“, Dorf, bestehend aus insgesamt 14 (überwiegend bäuerlichen) Anwesen.

Der Ort beziehungsweise das Gut „Petzenperg“ wird erstmals urkundlich im Herzogsurbar vom Jahr 1300 erwähnt. Es mußte jährlich 2 Metzen Hafer an das Amt zu Reischach geben. Sicherlich existierte aber Petzlberg schon einige Jahrhunderte früher. Es dürfte längst vor dem Jahr 1000 entstanden sein. 1371 wird bereits die „hueb ze peczelsperig“ erwähnt. 1407 wird dieses Gut (= heutiger Fleischbauer) urk. wieder genannt. So besaß damals „Heinrich Hautzinger von Pecznperg“ eine „hub haisst Petzenperg“. 1435 gab es in Petzlberg schon mindestens sechs Anwesen. Der Ort hatte damit ungefähr eine Größe erreicht, wie er sie noch bis vor dem Ersten Weltkrieg aufwies. Der Name Petzlberg kommt höchstwahrscheinlich von dem ersten Siedler dort her, der demnach „Petzel“, „Petzelin“ oder „Petzold“ = Pe(t)zl (= Peter) hieß; also bei dem (Hof des) Petzl auf dem Berg. Welcher der Höfe dort nun der älteste und ursprünglich wohl einzige war, ist unbekannt. Jedenfalls dürfen wir zweifellos den Huber- (= heutigen Fleischbauern) und den Bichlmaierhof als die mit Abstand ältesten Höfe des Ortes gelten lassen. Petzlberg ist — im Gegensatz zu den benachbarten Ortschaften Haunberg und Rudersberg — ein sogen. Haufendorf, von dem aus in vier Himmelsrichtungen Straßen auseinander führen. Es liegt 484 Meter über N.N. und gewährt mit seinem noch reichen Obstbaumbestand, insbesondere von Norden her, einen recht ordentlichen Anblick.

Weiler, 480 Meter über N.N. (bei Haus-Nr. 39), ma. „Bimaschberg“.

In der Zeit zwischen 1147 und 1167 übergab Engilbert von „Pudemingisperge“ (= Pimannsberg) auf Bitten der edlen Frau Gertrud von Mörmoosen dem Stift St. Peter in Salzburg ein Gehöft zu Winkel durch Uolchold von Högel. Das althochdeutsche Wort „budeming“, auch „pudeming“, bedeutet soviel wie „Bauch“; „Pudemingisperge“ würde sich demnach als ein bauchförmiger Berg erklären. Die alten Anwesen zu Pimannsberg befinden sich tatsächlich auf einer großen ausgeprägt bauchigen Anhöhe. Eine Besiedelung dieser Flur darf sicherlich schon mindestens 300 Jahre früher (8. oder 9. Jahrhundert) als ihre erste urkundliche Erwähnung vermutet werden. Als dann im Laufe der Zeit der ursprüngliche Sinn des Ortsnamens im Bewußtsein der Leute hier verloren ging, änderte sich auch seine Benennungs- und Schreibweise. Letztere ist uns in vielerlei, z. T. sogar grotesken Variationen überliefert.

Anfangs wohl nur ein einziges Gut zu Pimannsberg, werden im herzoglichen Urbarsbuch vom Jahr 1300 dort bereits zwei Güter erwähnt: „Aber Bidensperg… in dem ampt ze Reischach… zwai gut (gibt jedes der beiden zur Stift) vi huener und vi chaes.“ Ebenso werden 1435 zu „pudmannsperg“ zwei Gehöfte genannt, welche beide mit gleich hohen Abgaben belegt sind.

Pimannsberg war also im Mittelalter — ähnlich wie z. B. Hoheneck und Kienberg — Sitz eines kleinen adeligen Landherren, Mitte des 12. Jahrhunderts eines solchen namens Engilbert, der sich nach seinem Stammlehen Pimannsberg eben »von Pimannsberg“ nannte. Da wir aber später nichts mehr von ihm erfahren, darf angenommen werden, daß er (oder seine Nachkommen) das Schicksal der meisten seiner Standesgenossen von damals teilen mußte, indem er verarmte und dadurch an Bedeutung verlor. Spätestens ab dem 15., urk. jedenfalls ab dem 16. Jahrhundert, bis 1848 tritt schließlich die Hofmark Hirschhorn als Grundherrin für die beiden lehenbaren ‚/4-Anwesen zu Pimannsberg in Erscheinung. Die zuständige Gerichtsherrschaft über sie verblieb beim Landgericht.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden durch Abtrümmerungen, haupt-sächlich aus Gründen des sogen. Vorderpimannsbergerhofes und durch Zertrümmerung desselben, drei weitere Anwesen zu Pimannsberg. Die Gebäude des Vorderpimanns-bergerhofes selbst wurden damals nach und nach abgerissen, so daß dieses Gehöft nun schon weit über 100 Jahre nicht mehr existiert und folglich auch die ältesten Bewohner dieser Gegend nichts mehr von ihm wissen. Lediglich die Stelle seines Brunnens (heute zugefüllt) war noch in unserer Zeit zu erkennen.

Einöde, 465 Meter über N.N., ma. „Bisdouer“, in alter Zeit „Purgthor“ oder „das Baumgartlehert bei(m) Purchtor“ genannt.

Der Name erklärt sich zweifellos so, daß dieser Hof, dessen Gründe südlich bis direkt an die einstige mittelalterliche Burg auf dem Kaisersberg heranreichten und somit bis an das Burgtor, auch von jenem seinen Namen ableitet. Daß es im Laufe der Zeit zu einer so starken Verformung des Namens bis zum „Pistor“(iat. = Bäcker) kam, ist zwar interessant, läßt aber trotzdem keine andere Deutung zu. Ein Tor (z. B. Stadeltor) wird heute noch im Holzland mundartlich „Douer“ genannt. Verformt hat sich somit nur die erste Silbe »Burg“ zu „Bis“ bzw. „Pis“.

In den Lehenbriefen der von Kaiser Heinrich II. im Jahr 1018 dem Domkapitel zu Bamberg geschenkten Herrschaftsgebiet Winhöring wird bei den dazu gehörigen Gütern unter anderem auch bereits „ein Gut, genannt das Baumgartlehen bei Burgtor“, erwähnt. Vermutlich war auch mit dem im herzoglichen Urbarsbuch vom Jahr 1300 aufgeführten Gut „ze Purch“, das 1 Metzen Hafer in das „Ampt ze Reischach“ geben mußte, unser Pistor gemeint.

1457 jedenfalls verkaufte „Hanns Puritorer zu Puritor“ mehrere Wiesen und Holz-gründe an Ortolf Trenbeck zu Burgfried. Im Winhöringer Urbarium der Dompropstei Bamberg vom Jahr 1468 ist wiederum das Gut am „Purgtor“ erwähnt. Von dem Besitzer heißt es da: „Item Hennßlein ibidem (= ebendort) gibt von einem Guth iij Schilling iiij Pfennig.“

Einöde, 470 Meter über N.N.; der Name besteht aus den Silben „rausch“, mhd. „nach“ = Wasserfall, auch reißendes Gewässer, und „eck“, das ist eine hochgelegene, vorspringende Bergform oder Landzunge.

Beides trifft auf unser Rauscheck zu. Der Reischachbach bildet am Fuße dieses Geländesporns zwischen dem Auslauf des „Rauscheckergrabens“ einerseits und dem Auslauf der sogenannten „Hundsloh“ (im Volksmund Hundsloch« genannt) auf der anderen Seite — beide in Urzeiten geformt — eine große Schleife. Diese schuf durch den steten Wasseranprall südöstlich gegenüber dem heutigen Gasthaus „Reischacher Hof“ einen sehr steilen, jetzt bewaldeten Geländeanriß am Fuß des „Rauschecks“, auf dessen höchstem Punkt man im Mittelalter nicht nur einen Landsitz eines Adeligen, sondern zweifellos auch einen stolzen Wehrturm vom Reischachtal aus erblicken konnte.

Rauscheck war ja im Mittelalter Sitz eines Ritters; es gehörte jahrhundertelang den Edlen von Hoheneck. Thomas Hohenecker zu Rauscheck verkaufte 1457 den Rittersitz Rauscheck seinem Bruder Valentin (1.) zu Reischach. Beide waren Enkel des 1383 verstorbenen und in der Pfarrkirche in Reischach begrabenen Martin (I.) Hohenecker (urkundlich 1363-1383). 1518 verkauften dann die Gebrüder Hans, Martin (IV.) und Leo die Hohenecker (Enkel Valentins I.) den „Hof zu Rauschegkh“ mit allen dazugehörigen Gründen den Verwaltern der Hlg. Kapelle in Altötting. Die Hlg. Kapelle als neuer Grundherr vergab das Gut wiederum an Bauern auf Erbrecht zur Nutzung. Diese Art grundherrlicher Abhängigkeit dauerte dann fort bis anfangs des 19.Jahrhunderts. Auf dem Standplatz des vermuteten einstigen — sicherlich gemauerten — Turmes, der sich wenige Schritte nordwestlich des heutigen Rauscheckerhofes befunden haben muß, weisen heute noch ziemlich deutliche Geländespuren hin. Er war wohl im 15.Jahrhundert schon bedeutungslos gewesen und verfallen. An ihn erinnert auch noch der Flurname „Schloßzedese“.

Einöde, urkundlich 1300 „ze Walde“, heute nm. „Reichwoid“.

Der Ort liegt etwa 700 Meter westlich von Arbing auf einer Anhöhe vom 465 Meter über N.N. Die Vorsilbe „reich“ ist offensichtlich erst gegen Ende des 16.Jahrhunderts dem ursprünglichen Orts-und Hofnamen „Waldner zu Wald“ vorgesetzt worden; sie weist auf einen für die damalige Zeit auffallenden Reichtum hin. Im Gegensatz zu den übrigen Bauern dieser Gegend besaß nämlich einst der Reichwallnerbauer den größten Grundbesitz. Er hatte außer seinem 1/1 oder ganzen Hofgut mit über 120 Tagwerk Grund gleich zwei Zuhäusl. Diese stanetwa 75 Meter südwestlich bzw. 50 Meter südöstlich des Hofes. Nichtminder genoß er den 2/3-Zehent von seinem großen Gut selbst und besaß auch noch eine Sägemühle. Im Steuerbuch von 1721 heißt es, daß der Reichwallner den ganzen Hof und „die hirzue gerissenen (= urbar gemachten) 2 Länder und verhandne Schneidsaag“ mit „Churfürstlicher Lebensgerechtigkeit“ besitzt. Wo sich einstmals dieses Sägwerk befand, wird sich wohl nie mehr ganz genau feststellen lassen.

Jedenfalls war es das im Tal („in der Speck“) südlich von Speck herkommende und östlich die Flur von Reichwald durchlaufende heute noch kleine Wässerlein, das einst den Antrieb jener Sägemühle ermöglichte.

Im 19.Jahrhundert (urkundlich schon 1851) besaß der Reichwallnerbauer westlich des Hofes auch einen Ziegelbrennofen mit Ziegeltrockenhütte. Es wurden hier nicht nur Ziegel zum Eigenverbrauch geschlagen und gebrannt, sondern auch nach auswärts verkauft. 1930 waren nur noch Reste von ihm vorhanden, welche schließlich kurz darauf gänzlich beseitigt wurden.

Zweifellos war in ganz alter Zeit Reichwald fast völlig von Wald umgeben. Das heute noch zwischen den Einöden Straß b. Ecking, Stockwimm und Reichwald vorhandene Waldstück („Straßnerholz“) darf wohl noch als Rest jener einstmals großen Waldung an-gesehen werden, welche hier sogar namengebend war. Der einstige Orts- bzw. Hofname „Waldner zu Wald“ bedeutet einen Siedler (Bauern) am oder im Wald.

Einöde, 411 Meter über N.N., ma. „Reisermöi“, besser „Reisamöj“. Deutung des Namens wie bei Reising, jedoch einstmals hier Standplatz einer Mühle.

Mitte des 15.Jahrhunderts war die Reisermühle noch Bestandteil des den Edlen von Trenbeck gehörigen Reisingergutes.

Nach Aussterben dieses Edelgeschlechtes im Jahr 1637 gelangte ein Teil der ihnen untertan gewesenen sogenannten einschichtigen Güter, darunter auch die 1/8-Reiserrnüllersölde an die Hofmarksherrschaft Klebing. Das Anwesen, das auf Leibrecht verliehen wurde, bestand damals aus dem Reisermüllerhof oben auf dem Hochufer und der wenige Schritte südöstlich, drunten am Rockersbach stehenden Mahlmühle mit angebautem Müllner-stüberl. Dieser Mühle wurde aber schon um 1692 von einem schrecklichen Hochwasser der Garaus gemacht. Damals nämlich riß das Wasser nicht nur das Wuhr weg, sondern auch der Hausberg wurde teilweise weggerissen und der Bachlauf selbst so gewaltig verändert, daß die Mühle seitdem „truckhen und öd lieget“, wie es noch 1752 heißt. Anstelle des ehemaligen Mühlengebäudes wurde dann später ein Zu- oder Austragshaus mit Stall errichtet. Auf der Flurkarte von 1824 ist dieses Bauwerk noch eingetragen. Es ist, vermutlich wiederum wegen Hochwasser, noch vor dem Ersten Weltkrieg in Abgang gekommen.

Einöde. 438 Meter über N.N., ma. „Reising“, von alten Leuten hier auch noch „zReiser“ oder „z Reisa“ genannt. Der Name leitet sich offensichtlich vom mhd. „ris“ = Zweig, Reisig, „risach“ = Gesträuch, Buschwerk, ab; hier also ein Gehöft, das einst von vielem Buschwerk umgeben, also im „Reisa“ lag.

1407 besaß „Leyttel Grönther, Purger zw öting“ unter anderem auch die zwei Teile Zehent zu Petzling, zu Harpfen und „zu Reysach“. Noch Mitte des 15.Jahrhunderts gehörte zum Reisingergut auch die Reisermühle. Das gesamte Besitztum war damals auf einen 3/4-Hof eingestuft; es gelangte um jene Zeit an die Edlen von Trenbeck. Später wurde die Mühle vom Hof getrennt, der Hof selbst in zwei Einzelanwesen aufgeteilt. Das Reisingergut bestand nun fortan katastermäßig aus zwei separaten 1/4-Höfen, dem Unterreisinger- oder Reisingergütl und dem Oberreisinger- oder Wagnergütl zu Reising. Grund- und Gerichtsherr von beiden blieb die jeweilige Hofmarksherrschaft Winhöring. Beide Reisingeranwesen wurden aber — soweit urkundlich nachweisbar — stets von jeweils ein und demselben Bauern zusammen auf Erbrechtsbasis bewirtschaftet. Dies führte jedoch bald dazu, daß das Wohnhaus des Oberreisingergütls immermehr und schließlich gänzlich zu einem bloßen Zuhäusl herabsank. Die dazugehörigen Gründe waren ohnehin bald mit dem Hauptgut „unausscheidbar vermischt“, die Nebengebäude abgerissen. Nach Abschaffung der Grundherrschaft im Jahr 1848 spielte dann diese Vermischung keine Rolle mehr und somit ist auch bald die mündliche Überlieferung von einem einstigen zweiten Hof zu Reising längst völlig versiegt.

Weiler mit insgesamt acht Anwesen, 430 Meter über N.N. (bei Haus-Nr. 73); ma. „Rockaschboh“.

An einem 8. November kurz vor dem Jahr 1151 läßt „Chadalhoh von Ruotkozzispach“ (= Rockersbach) auf Verlangen nach dem geistlichen Leben und „damit ihm der Tod nicht zuvorkomme“, durch Dietmar von Polling sieben Hörige an die Kirche von Salzburg übergeben Dabei ist unter anderen auch „Uirica de Arbingen“ (= Arbing) als Zeuge erwähnt. „Ruodgozz(o)“ ist ein einst gebräuchig gewesener männlicher Name, der um 930 ein paarmal in Salzburger Urkunden erscheint. So ist unser Rockersbach zu deuten als Ort am Bach, wo einst ein freier Herr namens Ruodgozz (Ruotkozz) mit seinen Leuten siedelte. Damit ist uns auch der Name des ersten Siedlers und somit auch Gründers von Rockersbach überliefert.

Der Weiler Rockersbach war seit Bildung der Ämter im 13.Jahrhundert geteilt: Die zentrale Siedlung von Rockersbach lag im Gebiet des Amtes Winhöring, ab Mitte des 15.Jahrhunderts bis 1808 in dessen Obmannschaft „Aufm Eggen“, ab 1808 bis 30. Dezember 1966 im Steuerdistrikt bzw. in der Gemeinde Eggen. Seit 1. Januar 1967 gehört nun dieser Teil zur Gemeinde Reischach. Die verschieden weiter abseits liegenden zwei Höfe „Bauer zu Rockersbach“ und „Leither zu Rockersbach“ zählten dagegen in genannter Zeit zum Amt Reischach und dessen Obmannschaft Reischenbach, ab 1808 bis 3. Juni 1971 zum Steuerdistrikt bzw. zur Gemeinde Reischenbach bzw. Arbing.

Seit 1. Juli 1971 gehören nun beide Ortsteile von Rockersbach zu einem Ortsteil vereint politisch zur Gemeinde Reischach. Hinsichtlich der pfarrlichen Zugehörigkeit aller Rockersbacher hat sich dagegen nie etwas geändert; sie gehören von Anfang an zur Pfarrei Reischach.

Der Name dieses ma. „Ruadersberg“ gesprochenen, aus zwei Bauernhöfen und einem Kleinanwesen bestehenden Weilers leitet sich von dem Personennamen „Rudolf“ ab.

Vermutlich ist er der Name des ersten Siedlers dort auf dieser heute noch von zwei Seiten vom Wald begrenzten, bergigen Flur. Im Jahr 1245 ist „Rudolfsperig“ im Urbar des Klosters Baumburg aufgeführt. 1300 wird „Rudolfsp(er)g“ auch im Herzogsurbar erwähnt; es mußte drei „Chaufmetzen“ Hafer an den herzogl. Kasten geben. Im Urbarverzeichnis von 1435 sind insgesamt vier Güter zu Rudersberg genannt; zwei davon, der „Ruedl von Ruedersperg“ und „Chundl vom widern“ sind identifizierbar. Es handelt sich dabei um die spätere „Ruedersberger“-Sölde und um den Wimmerhof. Mit den anderen zwei, nämlich dem „Ull von Rudosperg“, der 12 Pfennig pro Jahr an Herbst- und Maisteuern an die herzogl. Lehenstube zu reichen hatte, und dem „Hennsel von Ruedersperg“, der 32 Pfennig dergleichen Steuern gab, sind wohl das „Kötzl-Giitl« und das „Mitterergut« oder evtl. ein anderes, schon im 16.Jahrhundert nicht mehr vorhanden gewesenes Hofgut gemeint. Da es einen „Mitterer“ eigentlich nur dann geben konnte, wenn er wirklich der mittlere Hof von insgesamt dreien war, der heutige Mittererhof aber keinesfalls der mittlere, sondern seit Menschengedenken der äußerste, östlichste Hof von Rudersberg ist, scheint letztere Vermutung berechtigt. Außerdem wird im 17.Jahrhundert — obwohl es damals vier separate Anwesen in Rudersberg gab — das 1/4-Mitterergut urkundlich gelegentlich auch die „Hölzlhub“ oder gar beim „Untergodl“ genannt. Es war — obwohl im „Pruckhödl“ stehend, zur Hälfte freies Eigentum und zur Hälfte ein „Baron v. Daxpergisch-Lehen“. Es wird wohl in ganz alter Zeit nur einen Hof, später dann drei mit dem Mitterergut in der Mitte gegeben haben; dieser Name ist ihm auch dann noch verblieben, als es durch weitere Rodungen und Teilungen vier oder eine Zeitlang sogar fünf Höfe in Rudersberg gab.

Die Reihenfolge der Anwesen südlich entlang der Ortsstraße war im 18. Jahrhundert von Osten nach Westen: der Mitterer- oder Gütlbauernhof, dann der Wimmerhof, das Rudersberger- oder Hauzinger Gütl und schließlich als westlichstes und höchstgelegenstes die Kötzl-Sölde. Etwa 30 Meter nordöstlich vom Mitterer- oder Gütlbauernhof (nördlich der Ortsstraße) stand dessen Zuhäusl. Rudersberg liegt 475 Meter über N.N.

Weiler, 465 Meter über N.N. (bei Haus-Nr. 73), ma. „Schefberg“, älteste Schreibweise: 1407 „Schefperg“, 1463 „Schöfberg“, 1468 „Scheffberg“.

Die Ortschaft Schöffberg setzt sich aus den ehemaligen Ortsteilen Aigner, Kaiserhäusl, Oberschöffberg und Unterschöffberg zusammen. Diese vier Einöden wurden am 13.Juni 1977 Bestandteil des gleichzeitig neu gebildeten Weilers, der amtlich den Namen „Schöffberg“ erhielt. In ganz alter Zeit verstand man unter dem „Schöffberg“ den gesamten bewaldeten Höhenzug nordwestlich entlang des Reischachbaches von Hochhäusl über Herzöd bis einschließlich Schöffberg (vgl. dazu auch Karrersäge/Schöffmühl und Hochhäusl!).

Da einst sicherlich mehrere Schöff- oder Schiffsmühlen im Unterlauf des Reischachbaches anzutreffen waren, dürften diese dafür namengebend gewesen sein.

Mundartlich wird der Ort „Schebi(h)e“ genannt; er gilt als Weiler (3 Anwesen). Der Name bedeutet »schöner Bichel“ (= Hügel), ahd. „buhil“ = Hügel, Berg. (Vgl. auch Kerschbichl und Bichlmayr in Petzlberg!).

Der Hof zu Schönbichl liegt ja an einem hauptsächlich nach Südosten abfallenden schönen sonnigen, zum Teil von Wald umgrenzten Hügel. Von ihm aus hat man eine herrliche Aussicht ins nahe Reischachtal. Schönbichl liegt 445 Meter über N.N.

Um 1407 gehörte „Schönbühel“ zur Lehenschaft der Edlen von Hoheneck, in deren Hand es bis anfangs des 16.Jahrhunderts verblieb. Am 4.Oktober 1518 verkauft „Harms Hohenegher zu Praitnprugkh, zugleich namens seiner Brüder Martin und Leo die Hohenegkher“ den Verwaltern der Hlg. Kapelle zu Altötting neben anderen auch das Gut „Schoenpuechr, das jährlich 2 Pfund Pfennige zinst. Die Hlg. Kapelle als neuer Grundherr verlieh den Schönbichlerhof wiederum gegen eine jährliche Stift jeweils an einen Bauern auf Erbrecht. 1535 hatte ein solcher Erbrechtbauer den Hof aber nicht selbst bewirtschaftet, sondern ihn mit Einwilligung der Hig. Kapelle gegen eine bestimmte „Gult“ (= Gebühr) an einen anderen Bauern auf „Freistift“ zur Nutzung überlassen. Doch das war eine Ausnahme; ansonsten war der jeweilige Erbrechter auch gleichzeitig Bauer zu Schönbichl. Die Abhängigkeit von der Hlg. Kapelle in Altötting dauerte fort bis anfangs des 19.Jahrhunderts.

Einöde, westlich von Arbing, 455 Meter über N.N.; ma. „Spêck“, urkundlich 1300 „Spech“, 1403 „Spekh“, 1529 „in der Speckh“. Die Speck, mhd. ,, speche“, bedeutete in alter Zeit einen aus Reisigbündeln oder Prügeln gebauten Weg, Damm oder auch eine dergleichen Brücke in einem sumpfigen Gelände.

Der Specknerhof liegt an einem solchen einstmals sumpfigen Tal, welches heute noch von einem Wassergraben durchzogen wird, über den mittels eines kleinen Durchlauf-bauwerks die schmale Straße von Ecking nach Arbing führt.

Ursprünglich war der Specknerhof eine Hube und gehörte — im Gegensatz zum unweit davon sich befindenden Stockwimmerhof — nur zur Hälfte mit Leibrecht zum Pfarrhof Hirschhorn, welcher 1261 an das Kollegiatstift St. Philipp und Jakob in Altötting überge-ben wurde. Die andere Hälfte war mit Erbrecht vogtbar zum herzoglichen Kastenamt Burghausen und wurde gegen Mitte des 16.Jahrhunderts freieigen. Ende des 17.Jahrhunderts konnte der Speckner einen weiteren Teil seines besitzenden Gesamtgutes eigentümlich dazu erwerben, so daß fortan nur noch 1/3-Anteil zum Stiftskapitel Altötting gehörte. Anfangs des 19.Jahrhunderts wurde schließlich auch dieser Rest freies Eigentum des Specknerbauern. Jene gleichzeitig verschiedene Grundherrschaftszugehörigkeit ist wohl so zu erklären, daß — wie 1403 beurkundet – es einstmals zwei Anwesen in bzw. bei Speck gab, wovon das eine zeitweise der alte Speckner als Austragsgütl nutzte; später, nach Ab-gang des zweiten Gutes, wurden eben dessen Gründe zusammen in einem Specknerhof bewirtschaftet, welchen sich die Grundherrschaften dann miteinander teilten.

Weiler mit 5 Anwesen (ca. 463 Meter über N.N. bei Haus-Nr. 48), ursprünglich „Stauden“, dann „Staudenhaus“ und „Staudenhäus“.

Der Name erklärt sich als ein mit vielen Stauden (Buschwerk, Gesträuch) bewachsener Platz, auf welchem zuerst ein Haus, später dann noch ein paar dazugebaut wurden. Außerdem lag dieser Platz damals nahe am sogenannten „Schachling“ oder „Scha(l)ing“ (ahd. „scahho“, mhd. „schache“, ma. „schaie“ = Schachen, kleines alleinstehendes Waldstück, aber auch eine weit in ein Feld herein-reichende Waldzunge). Es wird deshalb der — früher fast völlig bewaldet und um vieles steiler gewesene — Berg südlich von Staudenhäuser bis über dem heute nur noch zum Teil bewaldeten Höhenrücken vor Aushofen der „Schaienberg“ genannt. Zum südlichsten, direkt an diesem Berg und Waldstück stehenden Anwesen (Haus-Nr. 44) in Staudenhäuser sagen die hiesigen alten Leute gelegentlich heute noch beim „Schaien“.

Seit in den Jahren von 1966 bis 1976 östlich unmittelbar vor Staudenhäuser eine große Mülldeponie angelegt und betrieben wurde, ist die Landschaft dort stark verändert und der Wald noch mehr reduziert.

Das erste in Staudenhäuser entstandene Anwesen war das einst in der Pfarrhofwiese in Reischach gestandene, unter Pfarrer Christoph Faschang (1620-1633) dort abgetragen und auf Pfarrhofsgrund in Staudenhäuser wieder aufgezimmert wordene „Gesellpriesterhäusl“ (jetzt Haus-Nr. 48, Mörwald). Die anderen Anwesen dort wurden erst anfangs des 18. Jahrhunderts bzw. im 19. und 20. Jahrhundert gegründet.

Einöde, ma. „Stogwirnm“ (472 Meter über N.N.), 1300 „widern“. Beide Wortsilben des Namens Stockwimm weisen auf die besondere Art der einstigen grundherrschaftlichen Zugehörigkeit dieses Einödgehöftes hin.

Die „Stockwibm“ (die Wimm, vom mhd. ,, wibm“ bzw. „widern“, das Gewidmete) war ein Widmungsgut, das nicht mehr – wie ursprünglich – ausschließlich zum Unterhalt des Pfarrers, sondern nach 1261 (Übergabe der Pfarrei und des Pfarrhofes Hirschhorn an das Kollegiatstift St. Philipp und Jakob in Altötting) vor allem zum Unterhalt des Chorherrenstockes und Stiftkapitels in Altötting, später dann (18. Jahrhundert) der Hl. Kapelle in Altötting, gewidmet war. Stockwimm muß also bereits vor 1261 existiert haben, daß es zu dieser Grundherrschaft gelangen konnte. Das Chorherren- oder Kollegiatstift wie auch die Hlg. Kapelle bzw. deren Verwalter verliehen diese Hube (1535 noch/4-Hof!) dem jeweiligen Stockwimmerbauern auf Leibrechtsbasis. Gleichzeitig war dieses Gut zum landesherrlichen Kastenamt vogtbar, wohin alljährlich an die 10 Metzen Vogthafer gereicht werden mußten.

1804 Schließlich konnte der Stockwimmer durch Zahlung einer entsprechenden Summe Geldes seinen besitzenden Hof von jeglicher grundherrschaftlicher Bindung ablösen und als freieigen erwerben.

Einöde, ma. »Straß“ (489 Meter über NN.), urkundlich im Jahr 1300: »auf der strazz«.

Der Name weist auf ein unmittelbar an einer uralten Straße gelegenes Gehöft hin. In unserem Falle ist es die gleiche Altstraße, an der auch Stockwimm liegt. Diese spätere Distriktstraße führt heute als Kreisstraße PAN 28 von Mitterskirchen her über Lidorf und ab der Landkreisgrenze als Kreisstraße AÖ 4 an Arbing und Straß b. Ecking vorbei nach Wald b. Winhöring bzw. nach Geratskirchen. Grundherr des Straßnergutes (einst ein Halbhof oder Hube) war (urkundl. schon um 1417) die Hofmarksherrschaft zu Seibersdorf, die dieses „einschichtige Anwesen“ dem jeweiligen Straßnerbauern auf Lehensbasis zur Nutzung überließ. Als Inhaber der Hofmark Seibersdorf sind nach den Seibersdorfern vor allem die Edlen von Offenham und als letzte die Grafen von Berchem zu nennen. Weil aber ein Leben, war für den Straßnerhof nicht das Hofmarksgericht, sondern das Landgericht Neuötting als Gerichtsherrschaft zuständig. 1848 wurde schließlich der Straßnerhof freies Eigentum seiner Besitzer.

Einöde, 461 Meter über N.N., ma. „Dabere. Der Name leitet sich ab von einem Berg, an dem einst fast ausschließlich Tannen wuchsen.

Der Ort liegt genau 150 Meter nördlich des 60 Meter tiefer am Fuße des Thannberges befindlichen Indoblerhofes. Seine Fluren sind von drei Seiten (Ost-, Süd- und Westseite) von Wald umgrenzt. Thannberg bietet so von Norden her einen sehr malerischen Anblick. Urkundlich ist diese Ortschaft verhältnismäßig sehr früh belegt. Am 1.April des Jahres 927 schenkte eine adelige Frau namens „Rihni“ unter anderem auch ihren Besitz am „montem Tanperch“, der früher dem edlen „Uogo“ gehörte, der Kirche von Salzburg. Dann aber schweigen die Urkunden bis anfangs des 16.Jahrhunderts. 1517 ist dieses Hofgut auf eine Hube (= 1/2-Hof) eingestuft. Es gelangte schon sehr bald (— wann ist unbekannt —) an die zur Pfarrei Zeilarn gehörige Wallfahrtskirche zum hl. Ägidius und den hl. drei Jungfrauen in Schildthurn. Dieses Gotteshaus bzw. deren Verwalter vergaben dasThannbergergut an den jeweiligen Bauern dort auf „Baumannsrecht“ (= Freistift, unsicherste Form von Zeitleihe) zur Bewirtschaftung. „In bedacht deß Wasserbruchs“, d.h. wegen eines erfolgten großen Erdrutsches und dadurch bedingter enormer Schadensanrichtung, welcher überhaupt nicht mehr zu beheben war, wurde 1612 die Gutsverleihung auf „Erbrecht“ aufgebessert. Auch wurde deswegen der Hoffuß damals amtlich von einem 1/3-Hof auf einen 1/4-Hof herabgesetzt. Er erfuhr damit auch hinsichtlich der Steuern und Abgaben eine Erleichterung. Jahrzehnte später wurde er allerdings wieder auf einen 72-Hof hinauftaxiert. Die grundherrschaftliche Bindung an das Gotteshaus in Schildthurn dauerte bis 1848. Die Straße von Kager über Indobi hinauf nach Thannberg (sogenannten „Öttinger Weg“) und weiter über Zehenthof nach Aushofen und Reischach ist uralt. Sie wurde sogar Ende des 18.Jahrhunderts zum verbesserten Ausbau als Landstraße von Neuötting über Reischach nach Eggenfelden vorgeschlagen. Dann aber wurde dieses Vorhaben doch nicht realisiert, da letztlich die Trasse entlang des Reischachbaches gewählt wurde.

Einöde, ma. „Undterfrüesing“, (460 Meter über N.N.), Gegensatz: Oberfriesing; auch Deutung des Namens und einstige grundherrliche Zugehörigkeit wie bei Oberfriesing, das geländemäßig um etwa sieben bis acht Meter höher und 250 Meter weiter östlich von Unterfriesing liegt.

Übereignung des Gutes „Friesingen“ an das Kloster Baumburg um das Jahr 1150.

Erste urkundliche Erwähnung eines zweiten Gutes dort im Güter- und Abgaben-verzeichnis (Stiftsbuch) des Klosters vom Jahr 1245: „Vriesing…, Huba ibidenz…“ dann im Herzogsurbar von 1300: „ze Friesing… Ortlieb daselb…“ (vgl. dazu Oberfriesing!). Unterfriesing liegt sehr malerisch; es gewährt eine recht schöne Aussicht zum Teil in das Inntal, vor allem aber in den westlichen Bereich des Reischacher Holzlandes.

Einöde, 463 Meter über N.N., ma. „Underkowe“, in alter Zeit „Niedernkobr genannt.

Von Unterkobl hat man in Richtung Osten hin einen sehr schönen Ausblick nach Unter-und Oberfriesing und dem angrenzenden Holzland. Der Ort Unterkobl liegt etwa 225 Meter östlich von Oberkobl, doch geländemäßig um etwa 10 Meter tiefer. Beide weisen ungefähr dieselbe Geschichte auf. 1407 heißt es im herzoglichen Lehenbuch: „Chuntzl Chopflär hat ain wis, leit zw Nidn Chopl…“ Der Unterkobler war damals, im Gegensatz zum Oberkobler, der ein Bamberger Erbrechtsgut war, ein Bamberger Lehen.

Im Urbarsbuch der Dompropstei Bamberg von 1468 ist deshalb Nieder- oder Unterkobl auch nicht aufgeführt. Es gehörte als solches Lehen ja zur Jurisdiktion des Landgerichts. Im Zehentverzeichnis der Pfarrei Winhöring von 1471 dagegen ist es erwähnt. Es heißt da: »Nidernchobl gibt 1/3(Zehent) = 12 Garben.“

Weiler mit fünf Anwesen (450 Meter über N.N. bei Haus-Nr. 26). Etwa 400 Meter weiter nördlich befindet sich der Weiler Oberthal.

Im Jahr 1300 werden beide ohne Unterschied „in dem Tal« genannt. Noch anfangs des 19.Jahrhunderts standen alle Anwesen von Unterthal der Reihe nach hintereinander, und zwar von Osten beginnend: das Schmiedgütl, der Thalbauer, der Don- oder Nießlhof samt Zuhäusl und ganz oben westlich der Lix im Thal. Heute steht an der Stelle des einstigen Don- oder Nießlhofes das sogenannte Strasserhäusl und der Donhof befindet sich ungefähr 150 Schritte am Hang südlich der beiden Höfe Thalbauer und Lix. Anstelle des einstigen Schmiedgütls, doch etwa 50 Meter nördlich davon steht heute das sogenannte Wimmerhäusl, das sich bis etwa 1835 noch um gut 150 Meter weiter nördlich seines derzeitigen Standplatzes befand. Das Schmiedgütl selbst ist seit Menschengedenken abgängig (siehe dazu auch Oberthal!).

Dorf, bis 1848 Hofmark, 0,6 Kilometer südöstlich von Arbing. Der Ort liegt 450 bzw. 486 Meter über N.N.

Die Häuser von Waldberg, ma. „Woidberg“, gruppieren sich — von wenigen Ausnahmen abgesehen—in einem Halbkreis südwestlich um den ausgeprägt runden bewaldeten Hügel, dem Schloß- oder Waldberg.

Auf dessen höchster Stelle befand sich einst das Schloß, worin viele Jahrhunderte die Herrschaften beider Hofmarken Waldberg und Arbing hausten. Dieses vier Stockwerk hohe Schloß samt der angebauten Kaplanwohnung wurde — längst verlassen und arg baufällig geworden — Ende des 18. Jahrhunderts vom Stadtmaurermeister in Neuötting ersteigert und abgebrochen.

Michael Wening beschreibt es um 1700 so: „Waldtberg ist ein Schloß und Hofmarch, ligt hoch an einem Berg, mitten under den Gehiltzern zwischen Neuen-Oetting und Eggenfelden…“.

Urkundlich tritt Waldberg erstmals 1343 in Erscheinung und war damals im Besitz der Perger (auch Berger), eines altadeligen Geschlechtes das vermutlich von Berg (heute Weiler Berg mit Kirche in der Gemeinde und Pfarrei Reischach) seinen Ursprung und Namen ableitet.

Erster urkundlich genannter Besitzer und zugleich Herr beider Hofmarken war „Harms Perger“.

1375 ist dessen Sohn „Ulrich der Perger von Arbing“ Besitzer dieser Hofmarken.

Als das Schloß und die Hofmark Waldberg zusammen mit der Hofmark Arbing am 17. Dezember 1461 von einem Nachfahren der Perger namens Thomas Trenbeck an dessen Vetter Hans Trenbeck verkauft wurde, bestand laut Urkunde das Hofmarksdorf Waldberg an Gebäuden nur aus dem »Hof zu Waltperg… (=Hofbauer), aus der „Burg…“ sowie der „Sölden bei Waldberg…“ (dem späteren Baderhaus). Es scheint somit damals dort wesent-lich weniger Anwesen als heute gegeben zu haben. Die meisten der einzelnen Häuser ent-standen wohl erst nach und nach später oder sind in der Urkunde, weil nicht zinsträchtig, auch nicht aufgeführt.

Im Schloß Waldberg sollte vor Mitte des 16.Jahrhunderts sogar eine Schankstätte einge-richtet und unweit davon ein Bad eröffnet werden. Darauf klagte 1544 der Edelmann Hanns Christoph Schondorffer zu Mitterskirchen vor dem herzoglichen Hofgericht zu Burghausen, daß Wilhelm Trenbeck als Herr beider Hofmarken „im Schloß Waldberg, das außer der Hofmark Arbing liege, zu schänken und ein Feilbad zu halten sich unterfange“, auch zu Arbing neben der Hufschmiede eine „Schneidschmiede“ zu gebrauchen vorhabe, welches gegen das alte Herkommen sei. Darauf antwortete Trenbeck: „… das Schloß Waldberg und die Hofmark Arbing seien e i n Ding und gescheib darum Hofmarchs- und kein unterbrüchiger Landgerichtsgrund“, weshalb er in seiner Hofmark die Tafern, Feilbad und Schmiede hinverlegen könne, wo es ihm beliebe. Das Hofgericht entschied dann am 12. November 1544: „die weil man befinde, daß zwischen Waldberg und Arbing kein unterbrüchiger landgerichtischer Grund und jedes mit Hofmarksgerechtigkeit befreit sei, so soll demnach der Trenbeck zu schänken Fug und Macht haben, doch mit der unterschiedlichen Erklärung, daß er sich der Tafern zu Arbing keineswegs gebrauchen soll, so lange er die Schankstatt zu Waldberg hat. Wegen des Feilbades und der Schneidschmiede aber soll der Trenbeck beweisen, daß beide keine Neuerung sind…“

Da die Taferne in Arbing mit Tanzboden, Nebengebäuden und dergleichen erst 1555 völlig neu aufgebaut wurde,6 hatte bis dahin tatsächlich das Schloß Waldberg eine Zeitlang auch die Funktion eines Wirtshauses. Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts bestand das Hofmarksdorf Waldberg einschließlich dem Schlosse und dem dazugehörigen Hofbauerngut schon aus 12 Häusern, wobei die zwei damals längst bestehenden Anwesen „Baderhaus“ (Haus-Nr. 80) und „Jägerhaus“ (Haus-Nr. 99) sowie die uralte „Wasenrneisterei“ (Haus-Nr. 85) nicht mitgezählt sind, da sie zwar in bzw. nahe Waldberg lagen, aber rechtlich damals nicht zur Hofmark Waldberg, sondern zur Hofmark Arbing gehörten. Nicht mitgezählt sind selbstverständlich auch alle außerhalb des Hofmarksdorfes gelegen gewesenen sogenannten einschichtigen Güter der Hofmark Waldberg, wie Maschberg, Reiter nächst Waldberg, Gabler in Ecking, Kaindl zu Reit und die in der Pfarrei Walburgs-kirchen gelegenen Gehöfte Königseder und Schöfftenhuber im Grasensee und andere, sowie seit 31.Mai 1604 auch das Hubergut zu Altsberg in der Geratskircher Pfarr. Insgesamt zählten mit diesem im Jahr 1752 genau 20 Anwesen zur Hofmark Waldberg.

Einöde, 405 Meter über N.N. (bei Haus-Nr. 93), ma. „Woischmör; der Name leitet sich von „Wolfimühle“ ab, wie man diese einst hier gestandene Mahlmühle am Rockersbach in alter Zeit genannt hatte.

Vermutlich besaß diese Mühle ursprünglich ein Müller namens „Wolf“ (= Wolfgang, Wolfhart, od. Wolfram), der dann namengebend für diese erst an-fangs des 16.Jahrhunderts urkundlich in Erscheinung tretende Mahlmühle geworden ist. Im 1468 angelegten Stift- und Urbarsbuch der Herrschaft Winhöring, zu welcher die /8-Wälschmüllersölden wohl schon seit Anfang ihres Bestehens und noch bis 1848 grund-herrschaftlich mit Erbrecht angehörte, ist sie jedenfalls noch nicht aufgeführt. Zwischen 1650 und 1671 brannte die Mühle aus nicht bekannter Ursache ab und wurde anschließend wieder „aufgezimmert“. Ab 1770 gehörte zur Wälschmühle, die damals mit zwei Mahl-gängen ausgestattet war, nachweislich auch ein Sägewerk. Es war dies vorher die soge-nannte Straßbergersäge in Reischach, die dort abgebaut, zur Wälschmühle transferiert und hier neu errichtet wurde. Sie ist nach der Flurkarte von 1824 dem Mühlengebäude süd-westlich angebaut gewesen. Auch führte damals noch der schmale Fahrweg von Maierwiesweb her in sanftem Bogen mitten durch den Ökonomiehof der Wälschmühle hindurch, direkt am Mühlen- und Sägegebäude vorbei den Hang hinunter und in den Rockersbach hinein. In diesem Bachbett verlief die „Straße“ dann weiter zum Weiler Rockersbach.

Einöde (480 Meter über N.N.), ma. „Waznberg“. Der Name leitet sich vom altdeutschen Personennamen „Watzo“ ab; er dürfte somit an den ersten Siedler dort erinnern.

1468 heißt der Ort „Wetzenberg`; damals gab „Heinztlein… (von) Wetzenberg… von zweyen Güttern“ dort Zins und Gult an die Dompropstei-Bambergische Hofmarks-herrschaft Winhöring. Es gab also damals bereits zwei Hofstätten zu Watzenberg, welche beide derselben Grund- und Gerichtsherrschaft (Winhöring) untertan waren. 1526 hatte sowohl der „Jörg von Wetzesperg“ wie auch sein Nachbar der „Harms von Wetzesperg“ jeder einen 1/4-Hof und jeder war gleich mit 70 Schilling Pfennig und 1 Heller Steuern veranlagt.

Da man den ursprünglichen Sinn des Ortsnamens später nicht mehr verstand, glaubte man in ihm einen „Weizenberg“ zu erkennen. Insbesondere im 18. Jahrhundert schlug sich diese Ansicht gelegentlich auch in der amtlichen Schreibweise dieses Ortsnamens nieder, obwohl nachweisbar noch 1782 dort kein Weizen angebaut wurde. Am Fuße der von Süden und Westen her sehr exponiert auf einer großen Bergzunge liegenden Einöde Watzenberg entspringt der sogenannte Wissersdorferbach oder — wie er in alter Zeit genannt wurde — der Weindlbach.

Der Watzenbergerhof, der 1848 freies Eigentum seines Besitzers wurde, hat ob seiner besonderen geographischen Lage seit jeher nur von Nordwesten (Arbinger Straße) her eine ihn erschließende Zufahrt.

Einöde (485 Meter über N.N.), ma. „Weier“; Name von „Weiher“ (Wasserweiher) sich ableitend.

Es darf angenommen werden, daß in alter Zeit, evtl. 13. oder 14.Jahrhundert, der „Weiherer“ für die Instandhaltung der herrschaftlichen Arbinger und Waldberger Fischweiher verantwortlich war; urkundlich aber konnte diese Verpflichtung nicht nach-gewiesen werden. Obwohl zum Großteil von Wald umgeben, war einst bei keinem der beiden Weihereranwesen ein Holzgrund zur Nutzung dabei. 1461 heißt es, daß die Hof-mark Arbing „60 Pfennig jährlich vom Weyhergütl“ für das diesem überlassene Brennholz bezieht. Der Weiherer bzw. später die Weiherer mußten also für ihren jährlichen Bedarf an Brenn- und Nutzholz der Hofmarksherrschaft eine festgesetzte — vermutlich gleichblei-bende — jährliche Summe Geld geben. Noch 1671 bemerkten beide Anwesensbesitzer, daß bei ihren Gütln „khain Zweck Holz“ sei. Es scheint dieser Zustand sich erst anfangs des 19.Jahrhundert zugunsten beider Anwesen geändert zu haben. Ob der Kleinweihererhof einst vorn „Großweihererhof“ abgetrennt wurde, ist nicht feststellbar, doch sehr wahrscheinlich. Jedenfalls war der größere der beiden noch lange Zeit grundherrschaftlich der Hoftnarksherrschaft von Waldberg untertan, während der kleinere anfangs des 16.Jahrhunderts als freieigen galt.

Der große „Arbinger- und Schachtenwald“ grenzt östlich bzw. nördlich direkt an die Flur Weiher an. Der Ort selbst, der sich in sehr anheimelnder landschaftlicher Lage befindet, ist nur von der Kreisstraße AÖ 32 aus, die durch diesen Wald führt, über eine schmale Straße von Osten her erschlossen.

Einöde, ma. „Wergstedn“. Im 1468 angelegten Urbarium der Dompropstei Bamberg, zu welchem Obereigentum der Herrschaftsbereich Winhöring von 1018 bis 1554 gehörte, ist auch unser Werkstetten als Zinsgut der Bamberger Kirche erstmals mit dem Namen „Wolffstetten“ urkundlich erwähnt.

Es war damals als 1/4-Gut eingestuft und einem Edelmann namens Hohenecker zu Lehen gegeben.

Die Lage des Gutes wird dabei „in Parochia Reißach“ (= Pfarrei Reischach) angegeben. Wolfstetten = Stätte, Stelle, Platz, wo sich Wölfe aufhalten.

Zur Flur Werkstetten zählte noch bis Ende des 16.Jahrhunderts auch das benachbarte „Hauzing“ (= Unter- und Oberhauzing, Gde. Perach), das als „Hinter- oder Unter-werkstetten“ im Gegensatz zu „Oberwerkstetten“ (= Werkstetten) in den amtlichen Steuerbüchern udgl. geführt wurde.

Der Name „Hauzing“ verdrängte erst anfangs des 17.Jahrhunderts den Namen „Unterwerkstetten“. Gleichzeitig bildete sich immer mehr die Bezeichnung „Werkstetten“ für Oberwerkstetten heraus, freilich in verschiedenen Schreibweisen, bis sich schließlich im 20. Jahrhundert endgültig die heutige Schreibweise durchsetzte.

Werkstetten liegt 465 Meter über N.N. in malerischer, sehr hügeliger Landschaft, teils vom Wald umgeben.

Weiler, ma. „Wipfersberg“, 478 Meter über N.N. (beim Hof). Der Name kommt höchst-wahrscheinlich vom mhd. „wipfel“, auch „wipfellin“ = Gipfel, Spitze eines Baumes, eines Gebäudes aber auch Berges, im gegebenen Falle wohl von letzterem.

Wipfelsberg, 250 Meter südlich von Hitzing gelegen, ist eine der höchstgelegenen Ortschaften der Gemeinde Reischach. Man hat von dort nach fast allen Richtungen hin eine schöne Aussicht.

Als im Jahr 1404 „Kathrey die Hützlingyn zu Hützling“ (= Hitzing), ihr Sohn und dessen Ehefrau dem Edelmann Martin Hohenecker eine Summe Ewiggeld aus ihrem Gut zu „Hützling“ verkauften, war ihr Nachbar »Jacob von Wippfleinsp(er)g“ als Zeuge vertreten. Am 27.März 1406 ging unter anderem auch das »gut Wipfleinsperg in Reischacber pfarr“ durch Tausch mit Heinrich dem Sattelpogner zu Mitterskirchen gegen andere Güter in den Besitz des Edlen „Nikla des Intoblär von Intobel“ über. 1435 hatte das Gut „wipfleins-perg“ je 22 Pfennig Mai- und Herbststeuer an das herzogl. Kastenamt zu leisten. Es zählte zu den „Freisassen „-Gütern im Reischacher Amt. 1517 besaß „Hanns Wipfelsperger“ ein halbes Viertl Acker (= /s-Hof) und es ist vermerkt, daß diese Sölde im Gebiet der Obmannschaft Reischenbach liegt.

Dorf mit insgesamt 10 Anwesen, 465 Meter über N.N. (bei Haus-Nr. 17), ma. „Wisaschdoaf«. Im Jahr 1011 wird dieser Ortsname 7, Uuisagartadorf«, 1300 „Wisgartorf“, 1407 „Wiskarsdorf“ und 1435 „Wiskerstorfr“ geschrieben.

Der Name leitet sich von einer Frau namens „Wisigart“ oder „Wisagart“ ab, die als solche (was insgemein nur sehr selten vorkommt) namengebend für unser Wissersdorf geworden ist. Im achten, spätestens 9.Jahrhundert, in welcher Zeit Wissersdorf sicherlich schon existierte, wurde hier, wo fast ausschließlich die Einzelhofsiedlung vorherrschte, bereits eine zentrale Ansiedlung von drei bis vier Häusern als Dorf bezeichnet. Wissersdorf gehört zu jenen Ortschaften bzw. Gütern in und um Reischach, welche im Jahr 1011, am 1.November, Kaiser Heinrich II. der Kirche von Bamberg schenkte. Es zählte damit zum Bamberger Herrschaftsbereich Winhöring, dem sogenannten Bamberger Erb. Höchstwahrscheinlich handelte es sich damals aber nicht um das ganze Wissersdorf, sondern einzig um den sogenannten König- oder Kighof, der noch bis 1848 der Herrschaft Winhöring mit Erbrecht untertan war.

Einöde, ma. „Wuarngoadn“, Name auf freien Platz, wo sich einst besonders viel Gewürm oder viele Schlangen fanden, deutend. Im Mittelhochdeutschen bedeutet „Wurmgarte“, Ort, wo gehegte Schlangen oder wilde Tiere liegen.

Um 1180 als „Wurmgarten“ erstmals urk. erwähnt, gehörte dieses Gut samt allen Gründen damals bereits zum Besitz des Klosters Raitenhaslach, welches bis 1803 sein Grundherr verblieb.

Der Hof liegt 466 Meter über N.N. und befindet sich 350 Meter nordwestlich der eben-falls einst zu Raitenhaslach gehörigen Faistenberger-Sölde. Die Gründe des Hofes sind ringsum von Wäldern umschlossen; der Ort als solcher liegt – wie das benachbarte Faistenberg – in einsamer, wildromantischer hügeliger Lage.

Einöde, ma. „Zehthof“; der Hof liegt 470 Meter über N.N. Sein Name deutet auf einen Bauernhof, welcher stets den ganzen, d.h. den Dreidrittelzehent an den Pfarrherrn bzw. an die Pfarrkirche zu deren Unterhalt zu reichen hatte.

Bei diesem Hof war also eine Zehentteilung, – 1/3 + 2/3) wie sie bei den allermeisten anderen Höfen möglich und auch üblich war— anscheinend nicht gestattet; es durfte hier offensichtlich mit den Zweidritteln kein Handel getrieben werden. Somit erklärt sich der Name „Zehenthof“ von selber. Urkundlich erscheint dieser Hof erst anfangs des 15.Jahrhunderts und damit eigentlich sehr spät. Um 1407 gehörte der „Zehenthof, 1 gut“, zur Lehenschaft des Edelmannes Martin Hohenecker (II.). 1526 hat der Bauer „Banns Zehenndthofer… aM Viertl ains gannzen Hofs, gibt Lij (= 52 Pfennig) 1 hl“ (= 1 Heller) Steuern; er zählt zur „ander obmanschafft (in der) Reyschacber pfarn“ Dieser Zehenthof war damals ein freieigenes Gut. Im Steuerbuch von 1588 heißt es dann von ihm, er sei ein „1/4 Agkher so (bisher)freis aigen, aber yezt zum Spital Ötting verkaufft worden“ und „Georg Zechenthofer“ hat nun darauf „Leibgeding“, d.h. Leibrecht. Die grundherrschaftliche Bindung an das Hlg.-Geist-Spital in Neuötting verblieb dann ununterbrochen bis anfangs des 19.Jahrhunderts, wurde jedoch nach dem Dreißigjährigen Krieg in ein „Erbrecht“ umgewandelt. Letzter Grundherr des Zehenthofes im Jahr 1848 war jedoch das Graf Toerring-Guttenzellsche Patrimonialgericht Winhöring, welches das Zehenthofergut eine kurze Zeit vorher von der Hl.-Geist-Spitalstiftung Neuötting erworben hatte.

Zehenthof liegt landschaftlich recht anmutig auf einem von Süd nach Nord abfallenden Geländesporn, der windgeschützt ist, an drei Seiten von bewaldeten Schluchten und Gräben umgrenzt wird, nach Süden hin aber offen ist.

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